VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: The Road (2009)


Schon im letzten Jahr lief "The Road" auf den Filmfestspielen in Venedig, aber erst jetzt findet der Film seinen Weg in wenige deutsche Kinos. Dabei wurde John Hillcoats Verfilmung des pulitzerpreisgekrönten Romans von Cormac McCarthy mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, gar als Oscar-Favorit gehandelt. Aber schnell zeigte sich, dass zwar Viggo Mortensen die bisher beste Leistung seiner Karriere zeigt, der Film insgesamt aber allenfalls durchschnittlich ist.

"The Road" erzählt von der Welt nach einer großen Katastrophe – oder wie es auf dem Buchcover so schön heißt: Von "Der Welt nach dem Ende der Welt". Ein Vater und sein Sohn schlagen sich durch die verödete Landschaft Richtung Süden. Zeiten und Namen spielen keine Rolle, weder im Film noch im Roman werden sie genannt. Es geht nur noch ums Überleben. Für die karge, eintönige Landschaft haben John Hillcoat und sein Produktionsdesigner starke Bilder gefunden, die ohne spektakuläre Effekte die real gewordene Apokalypse auf die Leinwand übertragen und sich in das Gedächtnis des Zuschauers brennen.

Eindrucksvoll ist zu sehen, wie der Mann und sein Kind auf Asche bedeckten Straßen laufen, während in ihrer Umgebung Bäume umstürzen und Landschaften verbrennen. Ihr Fortkommen vollzieht sich in beinahe unerträglicher Langsamkeit, der Hunger ist das größte Problem. Tiere gibt es schon lange nicht mehr, also sind aus den meisten noch lebenden Menschen Kannibalen geworden, die andere Menschen wie Schlachtvieh in einem Verschlag halten. Durch diese Welt ziehen nun Vater und Sohn, und der Mann sieht in seinem Kind den Sohn Gottes, er ist sein Grund, am Leben zu bleiben. Entsprechend wird er von John Hillcoat inszeniert: Ein Junge, der sich seine Kindlichkeit und seinen Humanismus bewahrt, der weiterhin versucht, einen Teil seiner Unschuld zu rettet. Wenn er mit seinem Vater zusammen unter der Plane liegt und sie in einem Buch blättern, wirkt dieser Anflug von Campingatmosphäre inmitten des Grauens fremd, beinahe deplatziert. Zusammen mit den Rückblenden auf das frühere Leben der Familie erhält der Film dadurch eine schale Süßlichkeit, die von der kitschigen Musik Nick Caves untermalt wird.

Dadurch gerät der Film in eine Schieflage: Während "The Road" ästhetisch ein Erlebnis ist und John Hillcoat mit seinen Bildern bis an die Grenze des Mainstreamkinos geht, verlässt er sich nicht auf die Bildsprache und die Emotionalität der Geschichte. Vielmehr zieht John Hillcoat möglichst viele filmische Register, die in ihrer Gesamtheit die Wirkung verpuffen lassen. Darüber hinaus schreckt er auf der Handlungsebene vor der Düsterheit der Vorlage zurück. Im Roman gehört es zu den grausamsten Stellen, wie der Vater und sein Sohn die Menschen im Keller entdecken, die dort allmählich geschlachtet werden. Im Film baut John Hillcoat noch einen überflüssigen Angriff auf den Mann und einen Spannungsmoment ein, der die Kraft dieser Episode unterläuft. Auch das glückliche Ende fügt sich nicht in den Film ein, hier wäre ein ungewisser Ausgang wesentlich stringenter gewesen. Durch diese kleinen Änderungen driftet der Films ins Sentimentale ab – und wird weder dem Roman noch den Zuschauern gerecht.

Fazit: Wer den Roman kennt, wird enttäuscht sein. Und wer Cormac McCarthy nicht gelesen hat, bekommt einen durchschnittlichen Film zu sehen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.