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Die Geschichte vom Brandner Kaspar
Die Geschichte vom Brandner Kaspar
© Concorde Film

Kritik: Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008)


"Die Geschichte  vom Brandner Kaspar" wurde 1871 vom Münchner Schriftsteller Franz von Kobell in altbayerischer Sprache verfasst und in der illustrierten Wochenschrift „Fliegende Blätter“ veröffentlicht. Über 50 Jahre später wurde die nur wenige Seiten lange Kurzgeschichte Kobells vom Schriftsteller Joseph Maria Lutz für's Theater bearbeitet. Sein Stück "Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies" wurde 1934 in Dresden uraufgeführt und seither auf über 100 Bühnen gespielt. Damit nicht genug: Drehbuchautorin Erna Fentsch und ihr Ehemann, Schauspieler Carl Wery, verfassten bereits in den 40er Jahren ein an das Theatherstück angelehntes Drehbuch dessen Verfilmung 1949 in die Kinos kam. 1975 folgte schließlich eine TV-Version, verfasst und inszeniert von Kurt Wilhelm, einem Ururneffe des Original-Autors Kobell. Für das Residenztheater München schrieb Autor und Regisseur Wilhelm darüberhinaus eine Neufassung des Theaterstücks, die im selben Jahr wie der TV-Film uraufgeführt wurde und bis heute in dem Münchner Theater zu sehen ist.

Nun also hat sich Joseph Vilsmaier, der, weil sein Vater als Fahrer bei der Bavaria Filmkunst arbeitete, als zehnjähriger im Jahr 1949 die Dreharbeiten der ersten "Brandner Kaspar"-Verfilmung miterleben durfte, des urabyerischen Stoffs (in der Fassung des Münchner Residenztheaters) angenommen. Mit Franz Xaver Kroetz in der titelgebenden Hauptrolle und Michael "Bully" Herbig als "Boanlkramer", also das bayerische Äquivalent zum hochdeutschen Gevatter Tod, verfilmte Vilsmaier das moralische Volksmärchen komplett in bayerischem Dialekt. Für jemanden der, wie ich, sein gesamtes Leben nördlich des Weißwurstäquators verbracht hat, ist das durchaus ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber freundlicherweise (und weitgehend erfolgreich) haben die Darsteller auf eine Art "bayerisch light" zurückgegriffen, um sich auch Nicht-Bayern einigermaßen verständlich zu machen.Nachvollziehbar ist die Entscheidung, im Dialekt zu drehen, allemal, hat Vilsmaier doch auch bei Setwahl, Ausstattung und Kostümen auf möglichst authentisch bajuwarischen Look geachtet. Hochdeutsch hätte da in der Tat komplett unpassend gewirkt. DieKombination von Dialekt,naiv-moralischer Story und eher behäbiger Inszenierung hingegen sorgt dafür, dass die Nähe zum Volkstheater jederzeit zu spüren ist.   
Dazu passt denn auch, dass Vilsmeier nur zwei Darstellern Ausbrecher aus der für eine Komödie ziemlich tragischen, bajuwarischen Gemütlichkeit erlaubt: Detlef Buck, der als depperter Preussenkönig die einzigen, wenigen hochdeutschen Sätze des Films beisteuern darf und Michael "Bully" Herbig, der neben dem gekonnt den Brandner Kapar gebenden Franz Xaver Kroetz den Boanlkramer als vor Einsamkeit ganz weinerliche Witzfigur darstellt.

Fazit: Volkstümliche Tragikomödie rund um die Angst vor dem Tod und die Sinnlosigkeit eines langen Lebens ohne geliebte Menschen. Grundsätzlich kein schlechter Film, aber all jene, die in Erwartung einer flotten "Bully"-Komödie ins Kino gehen wollen, sollten die Wahl noch mal überdenken.




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