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Kritik: Inside Hollywood (2008)


"Inside Hollywood" wird konsequent als Komödie beworben. Wer aber einen Schenkelklopfkracher erwartet, wird enttäuscht.
Der Film ist ein leises, schwarzhumoriges, bitteres Drama über zwei miese Wochen im Leben von Ben, einem nicht mehr angesagten Hollywoodproduzenten. Die Story beruht lose auf den Memoiren von Art Linson, seinerseits Produzent von Filmen wie "Fight Club", "Heat" oder "Die Unbestechlichen".
Bens Charakter stemmt ebenfalls ein scheinbar anspruchsvolles Projekt, das sich allerdings mit einer miserablen Testvorführung schon vorzeitig als Flop abzeichnet – endet es doch mit der blutigen Tötung eines Hundes. Prompt verlangt die knallharte Studiochefin von Ben ein neues Ende. Was für den durchgeknallten Regisseur nicht in Frage kommt. Parallel dreht Bruce Willis – der Star eines weiteren von Ben betreuten Projektes – völlig am Rad, Bens Beziehung zu seiner zweiten Ex-Frau Kelly flackert wieder auf (obwohl beide auch anderweitig involviert sind), seine Tochter pubertiert munter drauf los und eigentlich soll Ben den fragwürdigen Film auch in Cannes vorstellen...
Sean Penn und Bruce Willis tauchen als sie selbst auf – was ein wenig an der Glaubwürdigkeit des Filmes rüttelt, denn es ist anstrengend, eine Welt zu akzeptieren, in der die beiden existieren, DeNiro und Penns Gattin Robin Wright Penn (sie spielt Kelly) aber nicht. Dennoch macht gerade Willis den witzigsten Teil des Films aus – zu sehen, wie er als aggressive, Sauerkrautbärtige Arschloch-Version von sich selbst DeNiro fertig macht, ist die reinste Augenparty. Zumal er offensichtlich Spass daran hat. Genauso sieht es bei den Nebenrollen aus: Catherine Keener mimt die kühle, hartgesottene Studiochefin, John Torturro gibt den labilen, schreckhaften Agenten von Willis, und Michael Wincott stellt den schmuddelpunkigen sowie geistig nicht ganz soliden Regisseur des Möchtegern-Arthaushits "Fiercely" dar (im Original tut er das mit saftigem Cockneyakzent).
Die Geschichte selbst tritt allerdings hinter den fast überzeichneten skurrilen Charakteren in den Hintergrund und plätschert recht gemächlich dahin; einen prägnanten Höhepunkt gibt es auch nicht. Daher ist "Inside Hollywood" kein Film, der lange im Gedächtnis bleibt oder im Nachhinein auch nur einen runden Eindruck hinterlässt. Dennoch macht es Spass, einen gehässigen kleinen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen, zumal DeNiro – der den Film mit produzierte – und Konsorten offensichtlich genau kennen, was sie erzählen. So richtig "inside", wie es der deutsche Titel suggeriert, geht es jedoch nicht. Dazu fehlt es an kritischem Biss. Der Originaltitel "What just happened?" trifft die lockere Anekdotensammlung schon ganz gut.
Fazit: Unterhaltsames, beschaulich präsentiertes Sammelsurium von stark gezeichneten Hollywoodcharakteren, präsentiert mit wenig Plot, einigen witzigen Szenen und verhaltener Lifestyle-Satire. Für DeNiro- und Willis-Fans ein Muss. Für diejenigen, die alle drei Minuten einen Lacher erwarten, ganz sicher nichts.





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