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Kritik: Notorious B.I.G. (2008)


Mitte der 1990er tobte in der amerikanischen Rapszene ein Krieg zwischen Ost- und Westküste. Angeheizt von Medien, Fans und den (für  die Publicity sicherlich nicht undankbaren) konkurrierenden Produzenten Suge Knight (Death Row Records) und Sean "Puff Daddy" Combs (Bad Boy Entertainment) wurde der angangs noch mit Worten geführte Konflikt zunehmend mit Waffengewalt ausgetragen. Mitten drin im  Kampfgeschehen: Die ehemaligen Kumpel Tupac Shakur  und "Notorious B.I.G." Christopher Wallace. Am 07.September 1996 gaben Unbekannte in Las Vegas mehrere Schüsse auf Shakur ab, einige Tage später erlag er seinen Verletzungen. Am 09.März 1997 wurde auch Shakurs Konkurrent Christopher Wallace während eines Aufenthalts in Kalifornien von Unbekannten erschossen. Der geschäftstüchtige Produzent Combs
allerdings hat seither nicht aufgehört mit dem für sein Debüt "Ready to Die" platinverwöhnten Wallace Geld zu verdienen: Einige Wochen nach dessen Tod brachte Combs Wallaces zweites Album "Live after Death" auf den Markt, dazu das erste eigene Album "No way out" mit dem Wallace gewidmeten "Every breath you take"-Coversong "I'll be missing you". 1999 folgte "Born Again", ein von Bad Boy Records herausgegebener, wallace gewidmeter Sampler, 2005 dann das Album "Duets - The Final Chapter", auf dem verschiedene Künstler Rap-Schnipsel und/oder Texte von Wallace zu neuen Tracks verarbeiteten, 2007 schließlich das Best of-Album "The Greatest Hits". Da überrascht es wenig, dass nun auch der Film "Notorious B.I.G." auf's Konto von Combs geht: Gemeinsam mit  B.I.G.'s Mutter Voletta Wallace fungierte er als Produzent des Biopics. Und ebenso wenig wundert es, dass Combs hier eine saubere Legende zusammenstrickt, bei der er seine Rolle im Rap-Krieg der 90er geflissentlich unter den Tisch fallen lässt und sich zum guten Freund, der Wallace auf den rechten Pfad gebracht hat, hochstilisiert. Da natürlich auch Volleta Wallace ihre eigene Sicht auf das Leben ihres Sohnes beigesteuert hat, ist der Wahrheitsgehalt von "Notorious B.I.G." entsprechend gering einzuschätzen.
Dass der Film einigermaßen funktioniert ist denn auch weder dem klischeelastigen Drehbuch von Reggie Rock Bythewood und Cheo Hodari Coker anzurechnen, dass Wallaces Lebenstationen lieblos abarbeitet und herzlich wenig dazu beiträgt, die Person in irgendeiner Form nachvollziehbar zu gestalten, noch der durchschnittlichen Regieleistung von George Tillman Jr.. Statt dessen fallen positiv Hauptdarsteller Jamal Woodard, Kameramann Michael Grady und natürlich der Soundtrack auf.
Woodard, selbst ein Rapper der mit  "Notorious B.I.G." sein Filmdebüt vorlegt und sich für die Hauptrolle tapfer über 20 Kilo angefuttert hat,  gelingt das Kunststück mit Teddybär-Blick den zum Lügner, notorischen Ehebrecher und Crack-Dealer gewandelten ehemaligen Musterschüler Wallace noch so weit sympathisch darzustellen, dass man bis zum bekannten, blutigen Ende bei der Stange gehalten wird - und das obwohl den Nebendarstellern, vor allem den Frauen, vom Script so wenig Raum gelassen wird, dass sie kaum unterstützend eingreifen können.
Kameramann Michael Grady steuert eine gelungene, teils mit beweglicher Handkamera gedrehte Optik bei, anfangs in gemütlichen Erdtönen, dann in schmutzigen Grau, später in einer Kombination aus poppig bunten Farben, edlem Schwarz und Nebel.
Der Soundtrack wiederum, für den Woodard durchaus gekonnt die bekannten Tracks von Notorious B.I.G. einspielte, macht Lust die Originalaufnahmen durchzuhören - und wird so die Kasse von Combs sicher weiter klingeln lassen.  

Fazit: Durchschnittliches Musiker-Biopic, dass wenig Erhellendes über Hauptfigur Notorious B.I.G. zu berichten weiß, aber immerhin mit guter Kameraarbeit, nettem Soundtrack und einem recht sehenswerten Schauspieldebüt aufwartet. Trotzdem vor allem für Fans zu empfehlen.





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