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Wächter der Wüste
Wächter der Wüste
© Senator Film

Kritik: Wächter der Wüste (2008)


Mit "Die Wächter der Wüste" versucht der BBC-Produzent Joe Oppenheimer, wie er selbst sagt, den Erfolg des Dokuhits "Die Reise der Pinguine" zu wiederholen. Das Ergebnis ist ein auf Kinder zugeschnittenes Dokudrama mit konsequenter Vermenschlichung der Tiere – da wird dann auch schon mal einer schlafenden Erdmännchenfamilie "Trauer" um den zuvor vom Adler geschnappten "großen Bruder" unterstellt.
Rufus Beck, vor allem bekannt als Stimme der "Harry Potter"-Hörbücher, spricht nun für "Kolo", ein Erdmännchenjunges, dessen Coming-of-Age-Geschichte der Film erzählt. Diese verkrampfte Niedlichifizierung der eigentlich nur bedingt süßen Kalaharibewohner (ihre Babys erinnern an Gollum) dürfte dabei nicht nur Erwachsenen auf die Nerven gehen.
Gleichzeitig ist die Brachialdramaturgie – schnuckelige Erdmännchen werden ständig von fiesen Viechern wie Adlern, Kobras und Löwen bedroht – für die Kleineren nicht ganz unbedenklich. So verließ ein Mädchen im Vorschulalter die von mir besuchte Pressevorführung bereits im ersten Drittel des Filmes, weinend: Der böse böse Kampfadler war schuld. Dessen Flug hat ein übereifriger Tonmensch mit brachialen Soundeffekten unterlegt, die eher zu Drachen in Fantasyfilmen passen. Dazu dann Großaufnahmen vom Schnabel und den gelben Auge des Raubvogels… dabei könnte gerade der afrikanische Kampfadler ein paar Freunde in den jüngeren Generationen brauchen, denn seine Art ist durch Abschuss bedroht. Zudem vermehrt sich der Raubvogel lange nicht so exponentiell wie die Erdmännchen: Das Weibchen legt jeweils nur ein einziges Ei (was der Film allerdings nicht verrät). Und dass der Adler mit "Kolos großem Bruder" seinen eigenen Nachwuchs füttert, erwähnt Beck zwar beiläufig - gezeigt wird der Babyadler aber nicht. Schon klar, Kampfadler gleich Oberschurke.
Was man ansonsten zu sehen bekommt, ist allerdings grandios: Die sparsame Landschaft der Kalahari bezaubert in nuancierten Sepiatönen, ein Gewitter gerät zum theatralischen Spektakel, dessen dramatischer Aufbau weitaus mehr Spannung bringt, als Kolos Geschichte. Auch aufregend: Eine Infrarotkamera folgt einer blitzschnellen Kapkobra durch den Erdmännchenbau - wobei das allerdings wiederum kleinere Kinder verängstigen könnte.
Es bleibt also die Frage, warum sich die Filmemacher nicht einfach auf die ausdrucksstarken Bilder verlassen konnten, statt den Erdmännchen eine nicht immer ganz plausible Familiengeschichte und möchtegern-coole Sprüche aufzuzwingen. Zumal die Tiere an sich schon putzig und unterhaltsam genug sind: Sie stellen Wachposten auf, bringen sich gegenseitig das Skorpionessen bei, verwirren bewusst eine Kobra und kippen bei größter Hitze wie Dominosteine um. Fazit: Grandiose Bilder, geschmacklich fragwürdige Tonspur. Wen schon die Sprüche der Pinguine nervten, sollte auf die DVD warten und dann den Ton abstellen.





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