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Maja (Jessica Schwarz) feiert ausgelassen auf Davids...Tür'
Maja (Jessica Schwarz) feiert ausgelassen auf Davids Geburtstagsparty. - 'Die Tür'
© Senator Film

Kritik: Die Tür (2008)


Kaum ein zweiter versteht es so vortrefflich wie Guillermo del Toro magische Realitäten inmitten unserer Wirklichkeit zu implantieren. Und tatsächlich erinnert Anno Sauls "Die Tür" zu Beginn sehr an das Meisterwerk von del Torro – "Pan´s Labyrinth". Auch hier dreht sich alles um einen geheimen Durchgang, der zu einer anderen Realität führt. Nur steht bei Saul der Reboot des eigenen Lebens als Motiv im Vordergrund.

Es ist auch zu verlockend: Wer würde nicht gerne, wenn die eigene Existenz durch die falschen Entscheidungen, die man an bestimmten Punkten in der Vergangenheit traf, völlig gescheitert ist, ein paar Jahre zurückgehen und alles korrigieren?
Zeitreisegeschichten, die mit diesem Motiv arbeiten gibt es ebenfalls reichlich: sowohl die Neuverfilmung von "Die Zeitmaschine" als auch "Butterfly Effect" spielen damit. Neu ist, dass die Motive der Zeitreise und der Parallelrealität miteinander kombiniert, obendrein in ein Drama eingebettet werden und alles gipfelt schlussendlich in einem schwarzen Horror-Thriller. Ein ganz schön wilder Stilmix und eine ordentliche Herausforderung für die Macher und die Darsteller, das alles für den Freund gepflegter Kinoabende gefällig abzumischen.

Zu Beginn sind die Weichen allerdings klassisch Richtung Drama gestellt: Der ehemals bekannte Künstler David Andernach (Mads Mikkelsen) ist am Ende. Vor fünf Jahren ereignete sich ein tragischer Unfall: Davids Tochter stürzte in den Pool und ertrank.. David bekam von dem aber nichts mit, da er damit beschäftigt war die Nachbarin (Heike Makatsch) zu beglücken. Seine Ehe hat die Tragödie nicht überstanden. Immer noch hofft er zwar auf die Vergebung seiner Ex-Frau (Jessica Schwartz), aber sein Leben ist inzwischen eine Ruine und er selbst ein, seinen Kummer in Alkohol ertränkendes, Wrack. Als er eines Nachts besoffen mitten im winterlichen Schnee im Rinnstein landet, erscheint ihm plötzlich ein Schmetterling, dem er zu einem geheimen Durchgang folgt; einer Tür, die zu einer Parallelwelt führt – fünf Jahre zurück, in seine eigene Vergangenheit. Hier bekommt er die Chance alles wieder gutzumachen: Seine Tochter ist noch am Leben, er muss nur zur rechten Zeit am Pool sein, um sie vor dem Ertrinken zu bewahren. Problematisch erweist sich allerdings, dass in dieser Welt selbstverständlich sein eigenes (jüngeres) Ich schon existiert. Wenn dieses verschwindet, könnte der fünf Jahre ältere David dessen Platz übernehmen.

Kaum aus der Dramaecke raus und mit einer Zeitreisegeschichte konfrontiert, hat man auch schon das Gefühl inmitten einer Neonoir Story zu stecken. Dieses Gefühl multipliziert sich spätestens mit einer Portion Gesellschaftssatire, als sich herausstellt, dass David nicht der einzige ist, der diesen Durchgang fand und sein altes Leben neu Aufgenommen hat – und das mit allen Konsequenzen für die jüngeren Abbilder. Für eine rein deutsche Produktion ist dieser, dramaturgisch sich im Verlauf gehörig steigernde, wilde Ritt durch die Genres wirklich neu – wenn er auch etwas abgekupfert von großen internationalen Vorlagen wirkt. Aber besser gut abgeschaut, als selbst schlecht erdacht. Ganz ernst kann allerdings das Finale nicht gemeint sein: recht inflationär wird mit dem Motiv des Neustarts des eigenen Lebens und des Schlüpfens in eine andere Identität umgegangen. Und die makaberen Highlights bekommen damit einen plattitüdenhaften Beigeschmack. Das Ende mutet regelrecht grotesk an und darf hoffentlich nur mit Augenzwinkern verstanden werden. Dann aber kann man sich – einige Logiklücken nicht ernstlich hinterfragend – ordentlich unterhalten; vorausgesetzt man hat für solch bösen Charme einiges übrig.

Fazit: Kreative Komposition, die immer wieder für eine Überraschung gut ist und mit reichlich makaberen Pointen aufwartet. Mitunter ist es dabei nötig, um die eine oder andere Ecke zu denken und nicht alles wirkt immer wirklich logisch. Beim Finale, dass ein stückweit an einen Mix aus "Kleine Morde unter Freunden", "Serial Mom" und "Das Dorf der Verdammten" erinnert, sind aber eindeutig Freunde satirischer Grotesken gefragt.




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