VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Percy Jackson - Diebe im Olymp
Percy Jackson - Diebe im Olymp
© 2009 Twentieth Century Fox

Kritik: Percy Jackson - Diebe im Olymp (2009)


Hollywood hat Teenager längst als äußerst lukrative Cash-Cow erkannt. Nicht aber allein, dass in letzter Zeit überproportional viele Filme für diese Altersgruppe produziert werden, die meisten Remakes oder Reboots werden darüberhinaus oft derart umgemodelt, dass durch die Neuinterpretation auch möglichst viele junge Menschen angesprochen werden können. Ob dabei mitunter ein Thema vermatscht wird, dass eigentlich durchaus Potenzial hätte, erzählerisch komplexer gestaltet zu werden, ist aber den mit spitzen Bleistift kalkulierenden Produzenten gelinde gesagt Schnuppe. Wenn die Kassen klingeln und die Kohle stimmt, gerät die Qualität der Inszenierung zur Nebensache. Im Prinzip ist das Strickmuster dieser Streifen immer ähnlich: Eine fantastische Geschichte, bevölkert von ein paar (ansehnlichen) Figuren, die zur Identifikation und auch als Projektionsflächen herhalten, dazu eine Portion Liebestwist damit der juvenile Hormonrausch auch schmachterzeugend kanalisiert werden kann, und schon rollt der Rubel.

Idealerweise sucht man sich vorher noch die passenden Romanvorlagen, die sich derzeit ebenfalls inflationär multiplizieren – und man ist mit der Frachise-Maschinerie ebenfalls auf der sicheren Seite. "Harry Potter" und "Twilight" haben es vorgemacht, und nun gelangen im Fahrwasser diverse Ableger und Derivate in die Lichtspielhäuser. In puncto Eigenständigkeit unterscheiden sie sich in der Regel nur von der gewählten Fantasiewelt-Vorlage her: "Harry Potter" lebt in einer Magierwelt, bei "Twilight" sind es die unsterblichen Untoten, "Mitternachtszirkus" nimmt sich ebenfalls der Vampire an, allerdings wird in diesem Streifen zusätzlich alles mit einem freakigen Zirkus samt allerlei absonderlichen Kreaturen verquirlt. Und jetzt aktuell darf es die griechische Sagen- und Götterwelt sein, die ausgeschlachtet und als Mythologie-Ultralight-Show kommerzialisiert wird.

Percy (Logan Lerman), ein sympathischer Teenager mit nicht allzu vielen Freunden, ist ein Halbgott; sein Vater ist der überaus mächtige Poseidon (Kevin McKidd), Gott der Ozeane und Meere sowie Bruder des Göttervaters Zeus (Sean Bean). Percy ahnt aber noch nichts von seiner hohen Geburt und geht deshalb (zunächst) brav weiter zur Schule. Im Olymp, dem Göttersitz, braut sich indes einiges zusammen: Zeus Blitz, die mächtigste Waffe im bekannten Universum, ist abhanden gekommen, und der Boss des Olymp´s verdächtigt Percy damit zu tun zu haben. Wenn der Blitz nicht innerhalb von 48 Stunden wieder an Ort und Stelle ist, droht ein gewaltiger Götterkrieg, der die Erde für alle Zeiten verwüsten könnte. Als Percy seine Herkunft offenbart wird, steht für ihn fest, dass er den Blitz wiederbeschaffen muss. Zuvor aber geht es ins Halbgötter-Trainingscamp, um sich in einem Crashkurs für antike Helden in der Kriegskunst ausbilden zu lassen. Danach aber ist kein Unhold oder Fabelwesen vor ihm sicher. Doch selbst ein Halbgott braucht gelegentlich Schützenhilfe. Und so stehen ihm Annabeth (Alexandra Daddario) – uneheliche Tochter der Göttin Athene und eine Art Xena-Verschnitt – sowie sein Busenfreund Grover (Brandon T. Jackson) zur Seite, der in Wirklichkeit ein Satyr ist – ein Wesen halb Mann, halb Ziegenbock.

"Percy Jackson – Diebe im Olymp" ist ein typisches Entertaintment-Machwerk, das sich um nichts schert: Nicht darum, irgendeine Wissenslücke beim avisierten jugendlichen Publikum zu schließen, indem der Film beispielsweise via Prolog a la "Herr der Ringe" die Evolution des olympischen Göttergeschlechts nachvollziehbar macht; auch nicht darum, aus den Göttern und Fabelkreaturen mehr als nur Comicfiguren zu gestalten; oder überhaupt zu versuchen, die Mythologie an sich wenigstens halbwegs korrekt wiederzugeben; und letztendlich leider auch nicht, den Protagonisten etwas wie charakterlichen Unterbau zu spendieren.

Und über das alles könnte sogar zugunsten des reinen Spaßfaktors hinweg gesehen werden, aber nicht einmal in diesem Punkt wurde stimmig inszeniert. Immer wieder hängt die dünne Geschichte und erzeugt damit deutlich störende Längen. Die Dialoge, die zuweilen den Verdacht aufkommen lassen, dass der Film vielleicht eher für Sechs- bis Zehnjährige anstatt für Teens so um die 14 gemacht wurde, verstärken in diesen actionarmen Passagen noch den Eindruck, seine Zeit im Kino zu verschwenden. Wenn sich allerdings entschlossen wird, tricktechnisch auf den Putz zu hauen, wird es auch schön spektakulös. Unterm Strich aber, enttäuscht der Streifen eher, als dass er zu entzücken vermag.

Fazit: Sinnarm wie fade inszeniertes Mythologie-Spektakel auf dem Niveau eines zweiklassigen Comics, dass von den wenigen effektlastigen Höhepunkten lebt. Wer auf pures Entertaintment aus ist und sich verkneifen kann, während der Hänger die Minuten zu zählen sowie darüberhinaus jeglichen Bildungsaspekt abschwört, könnte dennoch auf seine Kosten kommen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.