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Kritik: Terminator: Die Erlösung (2008)


Der Tag des jüngsten Gerichts konnte nicht aufgehalten werden: Asche hat sich auf das Haupt des Planeten und die überlebende Menschheit gelegt. Willkommen im Jahr 2018, in der ultimativen War-Zone und der letzten Schlacht der Menschheit gegen die Maschinenwesen. In dieser Postapokalypse gibt es nur eine Stimme, die Hoffnung oder gar Erlösung verheißt: "Hier spricht John Connor, wenn ihr das hören könnt, seid ihr der Widerstand."
Ein Leben lang wurde der Messias, der die Menschheit vor den Maschinen retten soll, auf seine Aufgabe vorbereitet. Selbst wenn er nicht gewollt hätte, es gab für ihn nie die Wahl. Seine Geburt verdankt er dem Umstand, von einen Elitesoldaten aus der Zukunft gezeugt worden zu sein, den sein späteres Ich ins Jahr 1985 entsendet hatte, um zunächst seine Mutter, Sarah Connor, vor einem kybernetischen Killer zu beschützen und sie anschließend zu schwängern. Endlos und unauslöschlich ist also seine Existenz in diesem Zeitparadoxon gefangen.

Beinahe ein Vierteljahrhundert ist es her, dass James Camerons B-Movie, indem Arnold Schwarzenegger die ultimative Vernichtungsmaschine mimte und Michael Biehn alias Kyle Reese ihm tapfer, aber eigentlich aussichtslos, Widerstand leistete, zum Überraschungshit wurde. Die Neuauflage ein paar Jahre später, mit deutlich höherem Budget und ausgefeilter Tricktechnik, war vom Plot nahezu identisch; mit der kleinen Variante, dass diesmal der Kampf Terminator vs. Terminator im Mittelpunkt stand. Arnie durfte mittlerweile die gute Maschine mimen, die vom John Conner der Zukunft höchstpersönlich umprogrammiert worden war, sein jüngeres Ich zu schützen und Robert Patrick gab sehr überzeugend den boshaften, seelenlosen High-Tech-Golem.
Im dritten Akt der Saga avancierte die Schlacht der Killerroboter zum Klamauk. Der implizierte Geschlechterkampf zwischen der super-männlichen Eiche aus der Steiermark und der Terminatrix (Kristanna Loken) schien den meisten als too much. Viel gescholten, konnte das Sequel nicht an den Erfolg der ersten beiden Teile anknüpfen. Und für Arnie stellte es den letzten Auftritt als Terminator dar. Inzwischen bewarb sich der gebürtige Österreicher um ein politisches Amt in den USA und wurde prompt zum "Gouvernator" von Kalifornien gewählt.
Die Saga schien zu Ende; ohne Arnie kein Terminator. Dann begann die Gerüchteküche zu brodeln: Vin Diesel oder Dwayne "The Rock" Johnson standen im Gespräch als Muskelmasse-Ersatz-Terminatoren. Doch es kam anders: Was sich die Fans schon lange gewünscht hatten, wurde war: Die Story machte einen Zeitsprung und führte inmitten des Kampfes, den die Menschheit, samt prophezeitem Erlöser, in der Zukunft ausficht. Christian Bale hat nun die Ehre in die Haut John Connors zu schlüpfen und den Endsieg gegen Skynet herbeizuführen.

Wenn man eines über "Terminator – Salavation" sagen kann: Es dauert keine zehn Minuten, bis man eine Reihe Déjà-vus erlebt: Die Optik bewegt sich eindeutig irgendwo zwischen "Blade Runner" (allerdings ohne Ridley Scotts visionären Touch) und "Mad Max". Und die Grundstimmung scheint eindeutig bei Letzterem sowie "Matrix" abgekupfert, verfeinert um eine Prise "Robocop". Damit nicht genug, ist man nach einem Fight gegen einen hochhaus-hohen Terminator sicher, unfreiwillige Promotion für den bald anlaufenden "Transformers 2" erlebt zu haben. Und Menschen-Massentranporte in die Skynetfabriken als Terminator-Testmaterial, werden sicherlich ein paar Erinnerungen an "Krieg der Welten" wecken. Besonders originell sind diese Anleihen nicht; tricktechnisch aber wurde alles auf höchstem Niveau umgesetzt. "Terminator – Salavation" ist bombastisches Effektspektakel allererster Kajüte. Doch reicht das aus? Wurde viel Geld verpulvert um lediglich eine seelenlose, cineastische Totgeburt aus der Retorte zu heben, die ohne jegliche geistige Eigenständigkeit auskommen muss? Bei aller gerechtfertigter Kritik, sollte man den Film nicht vorschnell völlig verdammen und die armen T-Modelle gleich für die Abwrackprämie freigeben.
Übertriebene Raffinesse oder eine überfordernd intelligente Story kann man dem Film zwar nicht vorwerfen. Er wirkt nicht recht durchdacht, nicht rund und entwickelt keine besondere Intensität. Allerdings gelingt es ihm ohne Arnold Schwarzenegger auszukommen (abgesehen von einem winzigen Pseudo-Cameoauftritt als digitaler Klon seiner selbst). Das für sich ist schon eine Leistung. An die notwendige Hommage wurde ebenfalls gedacht. Der Show-Down in der Skynet-Produktionsstätte erinnert durchaus an die Endkämpfe der ersten beiden Teile. Den ultracoolen, knochentrockenen Arnie-Terminator-Humor wird man allerdings schmerzlich missen. Ohne Schwarzenegger eben auch kein klassischer Terminator-Witz. Glücklicherweise wurde nicht plump versucht, einfach einen Ersatz für den jetzigen Gouverneur zu finden. Das hätte auch nicht gut funktioniert. Stattdessen widmet sich der Film einer anderen Fragestellung, die unterschwellig immer durch die Saga getragen wurde: der Auflösung der Grenzen zwischen Mensch und Maschine. Einhergehend taucht eine neue Art von Cyborg auf: Ein Hybrid (Sam Worthington), der, anders als die Metallskelette, die menschliches Gewebe nur zur Camouflage benutzen, zur Hälfte tatsächlich Mensch ist, ein menschliches Herz und zum Teil ein menschliches Gehirn sein eigen nennt. Diese Figur, die sicherlich die interessanteste im Film ist, läuft aber der Terminator-Mythologie entgegen. Von einem Hybriden war niemals die Rede. Und Kyle Reese, der aus einer noch weiter entfernten Zukunft zurückkehrte, hätte davon wissen müssen; damit auch Sarah Conner. Und die hätte es John Conner verraten, schließlich hat sie ihm ihr ganzes Wissen vermacht, damit er eines Tages die Menschheit zum Sieg führen kann.
Doch wie das mit der Zeitlinie so ist: Alleine schon dadurch, dass jemand zurückreiste und Informationen aus der Zukunft mitbrachte und John Connor mit diesem Wissen aufwuchs, veränderte sich die Zukunft schon wieder. Sie ist also eine Variante der Zukunft, die in Terminator 1-3 immer wieder kurz angerissen wurde (jaja, die Zeitparadoxa). Warum sollte also Skynet nicht nach einem neuen Weg in der Vergangenheit gesucht haben, ein Wesen zu erschaffen, das mittels seiner Menschlichkeit in der Lage ist, den Widerstand in der Zukunft zu infiltrieren? Diese Diskussion zu Ende zu führen, sei aber den wahren Experten überlassen.
Abgesehen von solchen "Logikfehlern", ist es das größte Manko des Films, das er gewissermaßen ins Leere läuft und keinen essentiellen Beitrag zur Ausgestaltung der Future-History liefert. Er wirkt wie eine konzeptschwach eingestreute Episode. Die Charaktere müssen ohne Unterbau und ausgefeilte Psychologie auskommen. Wie John Connor mit seiner Situation umgeht, dem unmenschlichen Druck und der Angst mit dem Fingerschnippen eines Blechheinis ausgelöscht werden zu können (stirbt Kyle Reese, wird Connor nie geboren), wird nie spürbar. Stoisch, aber ohne Esprit, zieht er als martialischer Recke seine Bahnen. Das notwendige Charisma, das man beim zukünftigen Anführer der Menschheit erwartet, sucht man vergebens (man hätte sich schon einen Anführer im Stile von Kirk Douglas in "Spartacus" oder Gerard Buttler aus "300" gewünscht, die konnten wenigstens so richtig böse gucken). Und in Anton Yelchin den Elitesoldaten zu sehen, der eines Tages zurückreist, um Sarah Conner zu beschützen, fällt nicht eben leicht. Möglicherweise mangelt es einfach am klassischen Zweikampfcharakter, der sonst immer im Mittelpunkt stand, der sorgte für eine extra Portion Spannung. Vielleicht sollte man aber Episode Eins der Terminator-Saga einfach schnell abhaken und auf zukünftige Besserung hoffen - eine andere Sci-Fi-Saga hat es vorgemacht und da hat es halbwegs funktioniert. Zunächst aber muss Bale noch mal als fledermausohriger Latexkämpfer ran. In dieser Rolle scheint er sich leidlich wohler zu fühlen.

Fazit: Der neue Terminator sucht nach seiner Eigenständigkeit und bedient sich einer Reihe fertiger Motive. Diese Versatzstück-Sci-Fi-Orgie gereicht dem Film nicht besonders zur Ehre. Viel schlimmer aber, dass er atmosphärisch nicht wirklich packt und stattdessen über weite Strecken einfach an ein martialisches, effektreiches und routiniert erzähltes Zukunftskriegs-Epos erinnert. Es ist einfach (noch) nicht das, was man sich erhofft hat. Da aber bereits für die nächsten beiden Teile geplant wird, kann man hoffen, dass es besser wird.





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