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Crosby, Stills, Nash & Young
Crosby, Stills, Nash & Young
© Arsenal Filmverleih

Kritik: Crosby, Stills, Nash & Young (2007)


Crosby, Stills, Nash and Young – Déjà vu Nach dem Vietnamkrieg hat das US-Militär verschiedene Strategien entwickelt, um missliebige Medienberichterstattung in zukünftigen Kriegen zu unterbinden. Eine dieser Strategien ist das Embedding, (Einbetten), bei dem Korrespondenten einer Truppe zugeteilt werden und direkt mit den Soldaten reisen. Ziel ist es, Journalisten durch den persönlichen Kontakt, die gemeinsame Reise beeinflussbar zu machen, um so unerwünschte Berichterstattung leichter unterdrücken zu können. Im Irak-Krieg zeigte sich schnell, dass diese Strategie ziemlich gut funktioniert – so gut, dass die Woodstock- und Vietnamkriegs-Protest-Veteranen Crosby, Stills, Nash and Young während ihrer "Freedom of Speech"-Tour, mit der sie im Jahr 2006 zum Protest gegen den Irakkrieg und die Bush-Regierung aufriefen, auf eben jene Strategie setzten.
Als Co-Autor und Moderator für jene von Neil Young (unter dem Pseudonym Bernard Shakey) inszenierte Tour-Doku, die bereits im Rahmen der Berlinale 2008 gezeigt wurde und jetzt in die Kinos kommt, engagierten die protesterprobten Bandmitglieder den preisgekrönten Journalisten Mike Cerre. Als eingebetteter Korrespondent im Irak hatte Cerre von 2004-2006 das US-TV-Programm um einige adrenalingeschwängerte Lobeshymnen auf die US-Armee bereichert. Entsprechend galt er auch den größten Kriegsbefürwortern – und sicherlich auch sich selbst - als protestunverdächtiger Patriot.
Dennoch verfehlte die Einbettungsstrategie auch hier ihre Wirkung nicht und es ist interessant zu sehen, wie Cerre, ganz offensichtlich ohne es selbst zu realisieren, vom außen stehenden, eher kritischen Beobachter zum Kollaborateur wird, der, statt von CSNY von "wir" spricht und die Band aktiv bei der Verbreitung ihrer Botschaft unterstützt. Hätte es noch einen Beweis für die Wirksamkeit der Einbettungsstrategie gebraucht – Cerre liefert ihn hier recht eindrucksvoll. Dramaturgisch bietet "CSNY – Déjà vu" hingegen wenig neues: Die Dokumentation ist eine herkömmliche Tour-Collage aus Konzert- und Probemitschnitten, Interviews, Zuschauer- und Medienreaktionen. Von der thematisch ähnlichen Dixie Chicks-Dokumentation "Shut up and Sing", die bereits im vergangenen Jahr im Kino zu sehen war, unterscheidet sich "CSNY – Déjà vu" nur in drei wesentlichen Punkten:
  1. Den hier möglichen und gern genutzten Rückgriff auf Archivmaterial aus jenen Zeiten, als die Band gegen den Vietnamkrieg protestierte.
  2. Die ganz offensichtlich enorme Erfahrung des Co-Autors und Regisseurs Young im Umgang mit Medien und Meinungsmache, Propaganda und Protest.
  3. Die daraus folgende, schlaue Selbstdarstellung der Band als Fürsprecher der Soldaten – der Film beginnt mit der Aufnahme eines Soldatenfriedhofs, im weiteren Verlauf werden immer wieder Vietnamveteranen, Irakheimkehrer und die Familien Gefallener interviewt.
Fazit: Tour-Doku, die neben "Crosby, Stills, Nash and Young"-Fans und Kriegsgegnern vor allem für Medienwissenschaftlern – Stichwort Propaganda – interessant sein dürfte.





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