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Robin Hood
Robin Hood
© Universal Pictures International Germany GmbH

Kritik: Robin Hood (2009)


Robin Hood Begins – mit kurzen Haaren und weit über vierzig Jahren. So erzählt es Ridley Scott, mit Russell Crowe als englischem Volksheld. Oder zumindest angehendem Volksheld. Denn Robert Longstride taucht erst ganz zum Schluss als Outlaw Robin Hood in den Sherwood Forest ab - und die Umverteilung des Reichtums scheint ihn auch nicht besonders zu interessieren.
Langweilig ist allerdings auch sein Vorleben nicht: Als Bogenschütze im Heer von Richard Löwenherz kehrt er von einem wenig erfolgreichen Kreuzzug nach England zurück. Unterwegs plundert man munter in Frankreich umher. Bei der Belagerung einer Burg wird Löwenherz – anders als in sämtlichen anderen Hood-Varianten – gleich zu Beginn getötet. Robin und seine Gefährten landen schließlich dank einer Intrige mit falscher Identität, Krone und einem edlen Schimmel im Gepäck in London und später in Nottingham. Dort trifft Robin auf die anmutige und dabei auch noch zupackende Marian (Cate Blanchett), welche mit ihrem gutmütigen Schwiegervater Sir Walter Loxley (Max von Sydow) einen verarmten kleinen Landsitz bewirtschaftet. Doch der hinterhältige Egomane König John (Oscar Isaac) und ein perfider französischer Verräter (Mark Strong) machen Robins Versuch, ein ruhiges Landleben zu führen, schnell zunichte. Und das sind nur einige der Handlungsstränge, die Scott mit perfekt inszenierter Action verknüpft.
Eigentlich hat der Film alles: Ganz gute bis verdammt gute (Blanchett, von Sydow, Isaac) Schauspieler, nach ein paar Aussetzern zu Beginn intelligente Dialoge, sowie packend und mit Detailfreude choreographierte Action. Auch hält Scott sich mit CGI-Sequenzen wohltuend zurück. Und eine verhalten aber überzeugend erzählte Romanze zwischen zwei Charakteren um die vierzig sieht man auch nicht alle Tage. Dennoch fehlt dem Ganzen ein innerer Zusammenhalt – der Plot ist in sich nicht rund, sondern wirkt wie auf ein Sequel hin konzipiert, so dass sich der Film anfühlt wie ein beliebiger Sommerblockbuster.
Zudem scheint Scott die vertrauten Elemente der Legende mit aller Kraft dekonstruieren oder herunterspielen zu wollen: Robins spätere Gefährten sind hier kauzige und recht planlose Reisegenossen. Der Sheriff von Nottingham - nur kurz zu sehen - schafft es vielleicht gerade mal auf Platz 3 in der Schurkenrangfolge des Filmes. Dass Robin eher mit Schwert und zu Pferde Armeen anführt, als mit Pfeil und Bogen Reiche auszurauben, wirkt ebenfalls befremdlich. Und mit einer geschichtlich arg weit herbeigeholten Vater/Sohn-Episode soll der englische Gesetzlose vermutlich vor allem um die Sympathien des amerikanischen Publikum werben.
Der epische Nachfolger zu "Gladiator" ist Scott und Crowe mit "Robin Hood" nicht gelungen. Anstatt dem "Origins"-Hype zu folgen - der bei Comic-Superhelden vielleicht funktionieren mag - hätte man besser daran getan, einfach die altbekannte Geschichte für heute neu zu erzählen, wie es seit Beginn des Kinos geschah: Die erste Version stammt von 1908, seitdem sah man den Volkshelden unter anderem mit keckem Federhütchen und Vokuhila. Robin Hood bestiehlt die Reichen und verteilt ihren Überfluss an die Armen und Bedürftigen. Das weiß jeder und das versteht jeder. Abstrakte Ziele wie "Freiheit" (als politisches Recht) wollen nicht so recht als Ersatzmotivation für eine Legende reichen. Daher ist es schwierig, diesen Film überhaupt als "echte" Robin Hood-Variante zu akzeptieren. Als Mittelalter-Actiondrama funktioniert er aber bestens. Da die Schauspieler sich in ihren Rollen offensichtlich wohlfühlen und Scott immerhin mit Kampfszenen restlos überzeugt, bleibt zu hoffen, dass er nach diesem ausführlichen Prolog nun den wirklichen Robin zeigt.





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