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Armored
Armored
© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Armored (2008)


Die Ausgangssituation: Ein paar böse Buben und ein Samariter, letzterer verbarrikadiert in einem gepanzerten Geldtransporter samt eines angeschossenen Cops und jeder Menge Cash. Das alles geparkt in einer menschenverlassenen ehemaligen Fabrikhalle. Eine surreale und überaus klaustrophobische Situation, die mehr als genug Potenzial für einen furiosen Triller in sich bergen sollte. Regisseur Nimrod Antal, der demnächst gemeinsam mit Produzent Robert Rodriguez für die Umsetzung des Predator-Reboots verantwortlich ist, liefert mit "Armored" einen Actionthriller mit eingängigem Plot und linearer Storyline. In einer Security-Firma arbeiten ein paar halbseidene Typen, welche planen die eigene Firma zu linken. Ein perfektes Ding soll das werden. Die Truppe hat vor, einen Überfall auf einen hauseigenen Geldtransporter zu fingieren und anschließend das Geld selbst abzukassieren. Der Neuling im Team Ty Hackett (Columbus Short), ein ehrenhafter Ex-GI, muss allerdings noch zu dem Coup überredet werden. Und wenn das die Kollegen schon nicht selber schaffen, motivieren am Ende die immensen Schulden, die Ty am Hals hat und machen prompt aus einem anständigen Menschen einen potenziellen Kriminellen. Allerdings nur solange, wie alles wirklich glatt läuft und niemand zu Schaden kommt. Als aber ein Cop schwer verletzt wird und alles aus dem Ruder zu laufen beginnt, wechselt er die Seiten und verteidigt fortan Geldtransporter, schwerverletzten Cop und 42 Millionen Dollar gegen die wütenden Versuche seiner Ex-Kumpanen, den Truck zu erstürmen.

Ein sehr beachtlicher Cast wurde für "Armored" zusammengetrommelt: Die Speerspitze der bösen Buben bilden die Actionveteranen Jean Reno und Laurence Fishburne (der demnächst auch auf der Predator-Party mit an Bord sein wird) sowie der Spezialist für die eher gebrochenen, schrägen Typen Matt Dillon. Wieder ein Pluspunkt möchte man meinen. Doch die scheinbaren Stärken entpuppen sich schnell als Seifenblase. Es reicht nicht, sich einer Vielzahl aus anderen Filmen bekannter Motive zu bedienen, diese halbwegs sinnig miteinander zu verweben und das Ganze mit ein paar leicht abgetakelt wirkenden Stars zu garnieren, um Kultkino zu produzieren. Vor allem dann nicht, wenn wenig unabsehbare oder neue kreative Komponenten in den Plot integriert wurden.

Das Originellste an diesem sonst eher schon stupidem Streifen ist vielleicht noch das (unfreiwillige) Verdrehen eines Vier-Muskettiere-Motivs: Neuling D´Artagnan legt sich im Klassiker von Alexandre Dumas zunächst mit seinen späteren Freunden an – will sich sogar mit Aramis, Athos und Porthos auf Leben und Tod duellieren – wird aber später doch einer von ihnen. Bei "Armored" läuft die Sache genau entgegengesetzt und der anfängliche Mitläufer stellt sich gegen seine Kollegen. Was aber eindeutig fehlt, ist eine ordentliche Portion Wahnsinn. Trotz bizarrer Grundsituation sind die folgenden Ereignisse letzten Endes meist zu zahm gehalten, um wirklich zu kicken. Das hat man alles schon ähnlich gesehen – und eben auch besser. Und die Stars allein vermögen diese sehr durchschnittliche Actionthriller-Show auch nicht auf einen höheren Adrenalinlevel zu befördern.

Fazit: Armored produziert eine spannende Grundsituation und friert diese anschließend auf einem konstanten Level ein. Zu bestaunen gibt es fortan die überwiegend nach Schema-X ablaufenden Versuche den Geldtransporter zu erstürmen. Die Intelligenz der eingesetzten Mittel hält sich dabei mit der Kreativität des überaus simpel gestrickten Plots eindeutig die Waage. Und überdies wurde darauf verzichtet, den drei Stars ein gleichwertiges Pendant als Verteidiger der Alamostellung entgegen zu stellen. Seichte Kost mit Versatzstücken aus bekannteren Vorlagen und austauschbarer Dramaturgie ausgestattet – vielleicht noch geeignet für einem Kumpelsabend mit Pizza und Bier.




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