VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Brüno - Filmplakat
Brüno - Filmplakat
© Universal Pictures Germany

Kritik: Brüno (2008)


Wer "Borat" hasst, wird auch "Brüno" nichts abgewinnen können. Sacha Baron Coens zweites Kindabenteuer funktioniert nämlich nach derselben Masche: Ein weltfremder Naivling macht sich nach Amerika auf und brüskiert dort vulgär, sowie mehr oder weniger politisch unkorrekt, einige ebenfalls weltfremde und reaktionäre Einheimische. Nur dass diesmal – offensichtlich – viel mehr Szenen gestellt sind und der Humor nicht ganz so entlarvend ausfällt.
Das Handlungsgerüst: Bruno, ein tuntiger Österreicher mit blonder Fönfrisur, verliert nach einem Eklat mit Klettanzug seinen Job als Moderator der Fashion-Fernsehshow "Funkyzeit". Als ihn daraufhin auch sein asiatischer Lover - mit dem er ein technisch aufwendiges Sexleben pflegte - verlässt, hält ihn nichts mehr in der Heimat. Zusammen mit Lutz (Gustav Hammarsten), dem in ihn verliebten Assistenten seines ehemaligen Assistenten, reist Bruno in die USA, um dort berühmt zu werden – zunächst im Fernsehen, dann als Weltverbesserer á la Bono, Sting oder Brangelina.
Soweit der Vorwand zur Provokation, die inhaltlich diesmal zahmer daherkommt. Dafür sind (lustig animierte) Nacktbilder und jede Menge Sexszenen drin, womit offensichtlich vor allem das amerikanische Publikum geschockt werden soll. Aber immerhin schafft Bruno es, sogar auf einer Swingerparty anzuecken…
Wie schon bei "Borat" ist es erstaunlich, dass Coen einige der Szenen überhaupt unbeschadet überlebt hat – darunter aufgebrachte Rednecks in Arkansas, prollig-grummelige Jäger irgendwo im Hinterland und orthodoxe Juden in Jerusalem, wo Bruno leicht bekleidet durch heilige Stätten stolziert. Dafür trägt er in "Mittelerde" [middle east] dann unfreiwillig zum Friedensprozess bei, indem er Hamas mit Hummus verwechselt und damit seinen Interviewpartnern, einem ehemaligen Mossad-Agenten und einem Palästinenser, gleichermaßen auf die Nerven geht.
Der Stunt mit dem adoptierten Baby dürfte von Plakaten, aus Trailern etc. hinreichend bekannt sein, daher nur soviel: Erschreckend ist nicht Brünos afrikanisches "Fashion-Accessoire" (die beiden Kleinkinder, die es darstellen, werden bei heiklen Szenen offensichtlich mit einer Puppe ersetzt), sondern einige wirkliche Eltern, die anscheinend vor nichts zurückschrecken, um ihren Nachwuchs berühmt zu machen - sollte die Kleine in einer Woche nicht fünf Kino verlieren, ist auch Fettabsaugen kein Problem; genauso wenig wie der Umgang mit Säure, und und und…
Bruno ist noch brachialhumoriger als "Borat" - was echte, entlarvende Begegnungen und Provokationen angeht, jedoch wesentlich zurückhaltender. Das mag natürlich daran liegen, dass Brüno nach dem Überraschungserfolg von "Borat" auch in den USA bekannt wurde. Unbefangene Interviewpartner vor die Kamera zu bekommen, dürfte somit inzwischen schwieriger sein. Unterhaltsam und überraschend sind aber auch Brünos Abenteuer allemal. Homophobie steht übrigens nicht im Zentrum, so dass man ihm weder Propaganda für Schwulenrechte, noch eine Defamierung von Schwulen vorwerfen kann, wie es in den USA tatsächlich gerade einige Lobbygruppen versuchen, die Coens Taktik nicht begriffen haben.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.