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Kritik: Mein Freund aus Faro (2008)


Die Autorin und Regisseurin Nana Neul erhielt für „Mein Freund aus Faro“ den Max Ophüls Preis 2008 für das beste Drehbuch. Was einigermaßen verwundert – sind doch gerade die holprigen Dialoge der Schwachpunkt des Comic Out-Dramas. Vor allem die Teenager sprechen unecht. Dennoch ist „Mein Freund“ kein schlechter Film: Neuls eindringliche Bildsprache und eine äußerst talentierte Hauptdarstellerin (Anjorka Strechel) machen die Schwachstellen wieder wett.

Strechel stellt Mel dar, eine 22jährige Jobberin, die mit Vater und Bruder zusammen wohnt. Ihre öde Provinzexistenz wird zunächst durch den interessanten neuen Kollegen Nuno (Manuel Cortez) - ein junger Portugiese - belebt und dann durch einen Beinahe-Unfall mit der 14jährigen Jenny (Lucie Hollman) erschüttert. Mel lässt sich spontan auf eine doppelte Doppelrolle ein: Gegenüber der Familie gibt sie die „Freundin“ von „Miguel“ – nämlich Nuno, den sie für die Scharade bezahlt. Jenny gegenüber, der sie auf den ersten Blick verfällt, erfindet Mel sich gleichzeitig als „Miguel“, der 16jährige Portugiese, neu… in den sich Jenny dann verliebt. Klar, dass das kein rosiges Ende haben kann.

Was arg konstruiert klingt, funktioniert dank Strechel vor allem in der ersten Filmhälfte gut: Zwar trägt sie den Halbstarkengang vielleicht ein wenig stark auf, überzeugt aber letztlich als schüchterner Junge mehr denn als geschminktes Mädchen. Tatsächlich erinnert sie leicht an Daniel Brühl. Auch der Altersunterschied zu Jenny stört kaum – schließlich ist Mel, der relativ spät klar wird, wer sie eigentlich ist, mindestens ebenso hormonell verwirrt, wie die aufgebrezelte Pubertierende.
Wie eingangs bereits gesagt, wirken Neuls Bilder stärker nach als ihre Worte, vor allem in Mels dramatischer Enthüllungsszene. Ihr Debüt ist somit ein melancholisches Ausnahmewerk – nicht albern wie der übliche (und gerade deutsche) Teeniefilm, dafür aber auch ziemlich humorarm.

Fazit: Sehenswertes, wenn auch nicht vollkommen geglücktes Jugenddrama mit einem großartigen neuen Schauspieltalent.





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