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Friendship!
Friendship!
© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Friendship! (2009)


Kurz vorm 20. Wendejubiläum bricht 1989 auch im Kino wieder aus – in Gestalt von zwei DDR-Jünglingen auf einem Road Trip durch die Staaten. Was nach einem Vorwand für hemmungs- und geschmackslose Nostalgie klingt, ist ein sympathischer Roadmovie, mit Culture Clash-Szenen, die so ähnlich auch Wessis passieren könnten. Mal abgesehen vom Titel gebenden Gruss, versteht sich.
Den East Meets West-Spass umgibt eine eher ernste Plotklammer: Veit (Friedrich Mücke) sucht in den USA nämlich seinen Vater, von dem er seit dessen Republikflucht lediglich einmal pro Jahr ein Lebenszeichen bekommt – in Form einer Postkarte aus Los Angeles, ohne Absender. Da alle den Stempel desselben Postamtes tragen und stets pünktlich zu seinem Geburtstag auf die Reise gehen, hofft er, ihn allein mit diesen Informationen zu finden. Dabei begleitet ihn sein nichts ahnender Freund Tom (Matthias Schweighöfer), der kurz nach dem Mauerfall einfach nur auf Abenteuer aus ist und nebenbei vielleicht ein paar seiner sehr speziellen Super-8-Filme unter die Leute bringen will.
Schon bei der Zollabfertigung stellen die beiden dann fest, dass ein fröhliches "Friendship!" außerhalb der DDR nicht als Gruss funktioniert. Aber immerhin haben sie vorsorglich praktische Englischfloskeln dabei, wie beispielsweise "Ich bin ein einsamer Kommunist auf der Suche nach Liebe".
"Friendship!" funktioniert vor allem dank seiner authentischen USA-Snap Shots, dem naiv-optimistischen Flair der Figuren (und damit vielleicht sogar der Nachwendezeit) und der unangestrengten Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern – die proklamierte Freundschaft nimmt man ihnen schon mit der ersten Szene ab. Lacher non-stop sollte man allerdings nicht erwarten. Wie schon bei "Good Bye Lenin!" versprechen Plakat, Titel und Trailer in dieser Hinsicht viel zu falsch viel zu viel. Apropos: Der Anfang erinnert mit seinem ironischen Voice-Over, kombiniert mit Archivaufnahmen, schon sehr an Wolfgang Beckers Klassiker. Und dass Mauerfallbilder zum Jubiläum überall zur Genüge abgefrühstückt werden, sollte eigentlich auch klar sein.
Sobald die beiden unbedarften Sprösslinge des zahmen Ostens sich dann allerdings in den teils nach wie vor wilden Westen aufmachen, kann man den Film um seiner selbst Willen genießen. Tom und Veidt, fast permanent gut drauf, treffen nicht nur auf kauzige Zeitgenossen, sondern entwickeln ungeahnte unternehmerische Talente und geraten in allerlei abenteuerliche Situationen. Von denen die Hälfte – laut Presseheft – auf Erfahrungen des Produzenten Tom Zickler beruhen, der 1989 tatsächlich die Reise samt einem Freund namens Veidt Jagoda antrat, mit 55 Dollar, Super-8-Filmen und dem Plan, es von New York bis zur Golden Gate Bridge zu schaffen. Da zudem der Regisseur Michael Goller seit Jahren in Los Angeles lebt und arbeitet, halten sich peinliche Ami-Klischees dann auch in Grenzen.
So richtig perfekt ist "Friendship!" aber doch nicht: Zum einem wird Tom reichlich aufdringlich als "unschuldiger" DDR-Bürger eingeführt, der schon als Kind (!) im System aneckte. Was ebenso wenig hätte sein müssen, wie die rauschende Begeisterung, die er mit seinem satirischen (schwarz-weissen) Heimatfilm in einem amerikanischen Provinznest erregt. Oder ein nicht immer überzeugendes Liebesdreieck. Dass die endlosen Weiten des Westens laut der Bilder aus "Friendship!" schon kurz hinter New York anfangen, dürfte außerdem den einen oder anderen Kenner der Gegend irritieren...
Diese Makel vermögen den Spass allerdings nicht zu verderben – schließlich ist "Frienship!" ein nach wie vor seltenes Phänomen: Eine deutsche Komödie, die keine Klamotte ist. Und die abgesehen davon auch mit sonnigen Winterbildern und rosiger "Everything is possible"-Attitüde überzeugt.




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