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Brooklyn's Finest
Brooklyn's Finest
© Kinowelt

Kritik: Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest (2009)


Regisseur Antoine Fuqua kehrt mit seinem neusten Film "Gesetz der Straße" zurück zu der Grauzone des Polizeidienstes in amerikanischen Großstädten. Im Gegensatz zu "Training Day" (2001) aber, der ganz klare Polaritäten aus Gut und Böse aufwies - Denzel Washington als korrupter Cop, der über Leichen geht und Ethan Hawke als unverdorbener Rookie, der sein Dasein als Police-Officer als Dienst an der Menschheit ansieht - hat man es in "Gesetz der Straße" mit drei Protagonisten zu tun, die alle in irgendeiner Form als Gefallene angesehen werden können.

East Brooklyn ist der Verbrechens-Hot-Spot New Yorks schlechthin – vielleicht sogar einer der gefährlichsten Orte in den USA überhaupt: Die Kriminalitätsrate ist extrem hoch, Mord und Totschlag sind an der Tagesordnung, Crack und Kokain werden an jeder Straßenecke gehandelt. Genau dort verrichten drei Polizisten täglich ihren Dienst: Der desillusionierte wie ausgebrannte Streifen-Cop Eddie (Richard Gere), der nur noch knapp eine Woche bis zu seiner Pensionierung hat; Tango (Don Cheadle), der bereits seit drei Jahren Undercover im Drogenmilieu ermittelt und fast schon nicht mehr zwischen seinem wirklichen Leben und der Tarnidentität unterscheiden kann; und Sal (Ethan Hawke), der Mitglied eines Spezialkommandos ist, dass Drogengelder aus dem Verkehr zieht. Dummerweise hat er zuhause eine wahre Kinderproduktionsstätte und eine fette Hypothek aufs Haus obendrein. Da ist die Versuchung groß, sich an den beschlagnahmten Moneten gelegentlich zu bedienen. Leider helfen kleine Summen aber nur kurze Zeit. Sal braucht einen richtig fetten Batzen Cash, um seine Familie aus dem Gröbsten zu bekommen.

"Gesetz der Straße" präsentiert sich als Episodenfilm, allerdings beeinflussen sich die einzelnen Geschichten weder unmittelbar gegenseitig, noch berühren sich die Schicksale. Abgesehen vielleicht vom Show-Down, der die Handlungslinien sich kreuzen lässt, was streng genommen aber zu dem Zeitpunkt mehr Gag, als dramaturgische Notwendigkeit ist. Anders als in "Training Day", der sehr weit führte und Abgründe skizzierte, trägt dieser Polizei-Thriller aber allzu deutlich den Stempel: Das ist alles Alltag. Cops, die nach jahrzehntelangem Dienst völlig am Ende sind; Cops, die so tief im Verbrechenssumpf ermitteln, dass sie selber kaum noch wissen, wo ihre Loyalitäten beginnen und wo sie enden; und Cops, die aus der Not heraus bei Geldern zugreifen, die eigentlich in die Asservatenkammer gehören.

Die Frage, die sich zwangsläufig stellt, ist, bittet Fuqua unterschwellig um Sympathie mit den Cops, welche mit diesem Dienst einen hohen Preis bezahlen? Und wenn sie sich Verfehlungen schuldig machen, sind es im Grunde immer noch die Good Guys, die einfach in den Strudel der Ereignisse gezogen wurden? An dieser Stelle gäbe es doch wieder eine Gemeinsamkeit mit "Training Day", der zunächst auch alle Grenzen zwischen Gut und Böse verwischte, aber schlussendlich noch den Dreh bekam, als die Korrupten am Ende ihre gerechte Strafe erhielten. Etwas komplexer und vielschichtiger ist Gesetz der Straße allerdings schon. Problematisch ist aber, dass man trotz atmosphärischer Dichte und der facettenreiche Geschichte, mit den Protagonisten einfach nicht richtig warm zu werden vermag. Sie spielen natürlich alle auch keine sympathischen Figuren – Identifikationspotenzial sucht man also vergebens – doch darüber hinaus nehmen die einzelnen Schicksale nicht wirklich gefangen: besonders Don Cheadle bleibt sehr blass und dem ehemaligen Liebling aller Frauen Richard Gere, der allmählich alternd nach neuen cineastischen Ufern sucht, nimmt man den endfertigen Cop nicht wirklich ab. Bestnoten gibt es allerdings für Ethan Hawke.

Neben den Protagonisten gibt sich "Gesetz der Straße" auch in den Nebenrollen keine Blöße: Wesley Snipes hat einen Auftritt als Drogendealer und darf sich mal mehr aufs Schauspielern als aufs Drauflos-Kloppen konzentrieren und mit Ellen Barkin ist sogar eine echte Grand Dame des Hollywood-Kinos zu sehen. Aber selbst das reicht alles nicht, den Film schlussendlich richtig stimmig zu machen. Er plätschert zu lange dahin, lediglich unterbrochen von einigen explodierenden Gewaltmomenten und das Finale entbehrt einer gewissen unfreiwilligen Komik nicht – oder erinnert zumindest (unbeabsichtigt) an die Arbeiten der berühmten Coen-Brüder.

Fazit: Hartes wie realistisches Spielfilm-Portrait aus dem Polizeialltag dreier New Yorker Cops, das über die Vielzahl der Stimmungsbilder, die es wiederzugeben versucht, zerfahren und unrund wirkt. Der Cast vermag durchaus zu beeindrucken, allerdings ist nicht jede Rolle ideal besetzt. Insgesamt mangelt es vor allem an der Möglichkeit zu partizipieren, da es kaum emotionalen Zugang zu den Figuren gibt.





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