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'Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft'
'Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft'
© 2009 Warner Bros. Ent.

Kritik: Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft (2009)


Der deutsche Titel führt – wie so oft – in die Irre: Aus "Coco avant Chanel" (Coco vor Chanel) machte man "Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft". Doch von Leidenschaft kann in dem Film keine Rede sein. Jedenfalls nicht für die Mode, mit der man ihren Namen assoziiert. Der Film erzählt nämlich überwiegend die Geschichte einer eigenwilligen Mätresse, die sich schließlich verliebt – woraufhin daraus dann die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern wird.
Wie sich die Halbwaise Gabrielle zur glamourösen Modeschöpferin Coco Chanel entwickelt, deutet die Regisseurin Anne Fontaine eher beiläufig an. Damit überzeugt sie immerhin in der Ausstattung: Der schroffe Kontrast zwischen Cocos elegant-legerem Stil und den über und über gerüschten und behängten Damen der Haute Société zeigt zunächst, wie selbstbewusst Coco, ein Kind aus der Unterschicht, mit schlichtem Chic auftritt, der – so will es der Film – von ihrer Kindheit in einem Kloster inspiriert wurde. Schließlich lässt sie sich von ihren Lovern inspirieren – von Reithosen über Pyjamas zu (praktischen) Hosen für Frauen.
Ein radikaler Schritt in der Modegeschichte, der in der Liebesgeschichte untergeht. Dass Coco das Nähen oder Mode liebt, oder sich zumindest dafür begeistert, bekommt man jedenfalls nicht zu sehen. Stattdessen gibt es unzählige schmeichelnde Close-Ups von Audrey Tautou; von allen Seiten ausgeleuchtet, in koketten Posen inszeniert, oft schmollend und meist rauchend. Was dabei in ihrem entzückenden Kopf vor sich geht, bleibt jedoch rätselhaft.
Ein Großteil des Films fühlt sich tatsächlich an, wie ein üppig ausgestattetes Kammerspiel: Die junge Coco hat kein Ziel und keinen Ehrgeiz. Sie folgt ihrem Lover, dem Kleinadeligen Étienne Balsan (Benoît Poelvoorde) aus einer Kleinstadt auf dessen Anwesen in der Nähe von Paris. Hier muss sie sich zunächst verstecken, etabliert sich aber nach und nach trotzig-naiv in seinen Kreisen. Wobei Poelvoorde Tautou an die Wand spielt: Der belgische Schauspieler gibt die beste Darstellung des Films, als lebensfroher, reicher Pferdenarr, der ebenso vulgär wie versnobbt ist und schließlich ungeahnte Empfindsamkeit enthüllt. Dennoch plätschert Cocos endlos scheinender Aufenthalt in Balsan (wie viel Zeit vergeht, wird nicht erzählt) recht zäh dahin. Bewegung kommt mit dem Engländer "Boy" (Alessandro Nivola) in behäbige Idylle, ein Geschäftsmann, der sich sein Vermögen selbst erarbeitet hat, und in den sich Coco verliebt. Die aufkeimende Romanze wird dann allerdings wieder durch einige melodramatische Dialoge verwässert, so dass noch nicht einmal dieser Teil die im Titel versprochene Leidenschaft zeigt. Überhaupt fallen viele Dialoge durch eigentümliche Gestelztheit auf – womöglich ein Synchronisationsproblem, diese Kritik bezieht sich auf die deutsche Fassung.
"Coco Chanel" ist, wie zu erwarten, detailgetreu ausgestattet. Tautou ist, wie immer, bezaubernd anzusehen. Der Charme des Charakters, der beschrieben wird, ist allerdings nicht auszumachen. Offensichtlich sollen die Dialoge sie als selbstbewusst, vielleicht sogar kühn hinstellen. Was aber aufgesetzt wirkt: Tautou im historischen Kostüm, mit zickigem Anstrich.
Immerhin bekommt man den Kontrast zwischen Chanel und dem, was vor ihr war – die von extremen Korsetts und gleichzeitig überbordende Üppigkeit geprägte Mode der Belle Epoque – vor Augen geführt.





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