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'Fighting' - Filmplakat
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© Universal

Kritik: Fighting (2009)


Es ist nicht gleich verkehrt, eine Geschichte geradlinig und straight zu erzählen. Manchen Storys wird überhaupt kein Dienst erwiesen, wenn versucht wird, sie zu mehr aufzublasen, als sie sind. Ganz im Gegenteil: Sie verkommen zu einem lieblosen Mix aus halbgaren Motiven ohne logischen Unterbau und mit einer Dramaturgie, die sogar noch in Rudis-Reste-Rampe als Ladenhüter verstauben würde. Im Prinzip ist es nicht schwer ein Martial-Arts-Drama zu inszenieren: Man benötigt einen Underdog mit einer kleinen Portion Tragik, der eigentlich gar nicht kämpfen möchte, den das Schicksal aber dazu auserkoren hat oder dem schlichtweg kein anderer Ausweg bleibt. Natürlich muss es den klassischen Endgegner geben und vielleicht noch etwas Romantik aus der Discounter-Schmalztube und voilà: Es wird vermutlich kein epochales Meisterwerk, aber für einen soliden DVD-Release wird es schon reichen. Man könnte meinen, soviel ist da nicht falsch zu machen. Ganz egal aber, wie lange man sich Filme privat und beruflich anschaut, das Wundern wie aus den simpelsten Kochrezepten noch ein ungenießbares Ganzes fabriziert wird, hört nie auf.

Tragischer Held in "Fighting" ist Shawn (Channing Tatum), ein echtes Alabama-Landei, den das Schicksal nach New York verschlagen hat. Mehr schlecht als recht hält er sich als illegaler Straßenhändler über Wasser. Er verkauft, was immer er von irgendwoher beziehen kann. Vom iPod-Imitat über den gefälschten Harry Potter bis zum echten Regenschirm. Eines Tages gerät er mit ein paar Ganoven, die ihm sein mühsam erwirtschaftetes Geld abluchsen wollen, in ein Gerangel. Als schlagkräftiger Naturbursche zeigt er ihnen aber was eine Harke ist und wird entdeckt: Der ehemalige Freefighter Harvey (Terrence Howard), der nach dem abrupten Ende seiner Karriere auf Tickethändler umsattelte (er kann für nahezu jede Veranstaltung, Konzert oder Sportevent Eintrittskarten besorgen), sieht welch großes Potenzial in ihm schlummert und macht ihm das Angebot, ihn den Leuten vorzustellen, die illegale Kämpfe veranstalten. Dort gibt es schnelles Geld zu verdienen. Shawn muss nur alle seine Gegner ausknocken.

Um es kurz zu machen: wenn hier einer ausgeknockt wird, dann die Geduld des Zuschauers. Selten zuvor wurde eine, im Kern so simple, Geschichte derart schlecht erzählt. Es macht eigentlich nicht mal Sinn tiefer darüber zu reflektieren, aber um ein Bild zu erzeugen: Es ist wie der Versuch den ersten "Rocky" mit "Die Farbe des Geldes" zu verquirlen, nachdem man beiden Filmen ihren ganzen Charme, Witz und Originalität mit der Dampfwalze herausgequetscht hat. Den Brei aus den beiden Kadavern darf man dann als Zuschauer runterwürgen. Eigentlich grenzt es an Blasphemie, diese beiden Klassiker mit "Fighting" im selben Atemzug zu nennen. Aber es gibt ein paar Parallelitäten: Harvey kommt ungefähr die Rolle des "Fast Eddie Nelson" zu, und die Grundstimmung, welche der Film bemüht ist aufzubauen, erinnert daran wie sorgsam "Rocky Balboa" in seiner Lebewelt in der Unterschicht Philadelphias, samt Subkultur- und Stadtteilportraits, gezeichnet wurde.

Rocky aber war ein Sohn Philis und fügte sich passgenau in den Charme und den Flair der Stadt ein, wohingegen Shawn aus Alabama stammt und wie ein Fremdkörper in New York wirkt. Selbst wenn dieser Kontrast beabsichtigt ist, produziert das keine Spannung. Dazu fehlen der Figur jedwede Ecken und Kanten. Und der gesamte Charakterunterbau passt in einen Satz: früher mal in einem Wrestlingteam, von seinem Vater trainiert, überwarf sich eines Tages mit ihm und ist nun in New York. Genauso dünn und krude sind auch alle weiteren Ansätze. Positiv erwähnenswert vielleicht noch die Aufnahmen der Stadt aus der Vogelperspektive. Doch weder die Szene, noch die Subkulturmomente überzeugen und sogar die Armanifraktion, welche die illegalen Kämpfe veranstaltet, hat den Schau- und Einschüchterungswert von Kirmesganoven. Wenn wenigstens schlussendlich die Martial-Arts-Einlagen entschädigen würden, aber auch hier Fehlanzeige: Schnitt, Kameraführung und Choreographie (sofern man davon sprechen kann), wirken stümperhaft und unbeseelt. Da gibt es in manch einem B- und C-Arschtrittfilmchen besseres zu sehen. Und selbst der Endgegner würde als Ganster-Rap-Unterwäschemodel eine bessere Figur abgeben.

Fazit: Freunde der Nacht, es gibt kein Argument für diesen Film. In dieser dunklen Stunde des Martial-Arts-Movies helfen nur noch die Uncut-Editions von Steven Seagal-Meisterwerken, wie das "Brooklyn Massaker" oder "Nico"




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