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Kritik: Hilde (2008)


Als 1993 der Musiksender Viva mit der Moderatorin Heike Makatsch zum ersten Mal auf Sendung ging, war ich 17 und saß mit Freunden vor dem Fernseher, um das "große Ereignis" mitzuverfolgen. In den folgenden Jahren stieg Makatsch - dürr, zappelig und mit ihrem markanten, kindlichen Lispeln - zum Girlie-Prototyp auf  und obwohl sie sich später zu einer durchaus ernst zu nehmenden Schauspielerin mauserte, ist mir dieses Girlie-Bild von Makatsch ziemlich präsent geblieben. Ein Bild, dass leider überhaupt nicht zu Hildegard Knef passen will - und vermutlich ist das der Grund, dass ich bei der Vorführung von "Hilde" allenthalben irritiert aufschreckte. Denn: Makatsch liefert hier zweifelsfrei ihre bislang beste Vorstellung ab. Ganz offensichtlich hat sie die Knef präzise studiert, hat sich Gesten, Mimik, Sprechweise und Tonfall so antrainiert, dass sie selbst bei aktuellen Auftritten, Monate nach dem Dreh, immer wieder in die Rolle zurückfällt.
Nicht ganz so gut, aber dennoch positiv zu vermerken sind daneben auch Hagen Bogdanskis Kameraführung, die Musik von Martin Todsharow, sowie die von Daniele Drobny, Ruth B. Wilbert und Lucie Bates verantwortete Ausstattung und Kostüme,  während die Regiearbeit von Kai Wessel eher unauffällig bleibt.
Dass der Film dennoch nicht ganz zu überzeugen vermag liegt, wie so oft, hauptsächlich am Drehbuch: Episodenhaft sich an den beruflichen, aber mehr noch den privaten Erfolgen und Misserfolgen entlang hangelnd zeichnet Autorin Maria von Heland 23 Jahre im Leben der Knef nach - vergisst dabei aber leider, den Zuschauern die Figuren näher zu bringen und die nötigen Hintergrundinformationen zu liefern. So folgt man dem über zwei Stunden ausgebreiteten Geschehen vergleichsweise unbeteiligt und hat anschließend nicht wirklich das Gefühl, mehr über Knef zu wissen als vor dem Film - und das obwohl sie die unumstrittene Hauptfigur ist, neben der nahezu allen anderen Protagonisten zu reinen Statisten verblassen.  

Fazit: Chance auf einen wirklich guten Film vertan, aber trotz des nicht ganz so brillanten Drehbuchs sehenswert vor allem Dank der hervorragenden Leistung von Heike Makatsch.




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