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Der Dorflehrer - Plakat
Der Dorflehrer - Plakat
© Neue Visionen

Kritik: Der Dorflehrer (2008)


Einige Filme funktionieren nicht mehr, wenn man zuviel von der Handlung verrät – so auch dieser. Bohdan Sláma erzählt seine Geschichte scheinbar bedächtig, in sorgsam aufgebauten, sehr langen Einstellungen. Da ist dieser verschlossene, schüchterne Lehrer, der seine Stelle an einem Prager Gymnasium gegen einen Posten irgendwo ihm böhmischen Nirgendwo mit wenig Privatsphäre eintauscht. Ein bürgerlicher Aussteiger? Dass hinter Petrs stets melancholischem, abwesendem Ausdruck dann doch mehr steckt, mag nicht verwundern. Wie es in die Handlung einbricht, vermutlich schon.
Sláma lässt sich dramaturgisch zunächst sehr viel Zeit, um dann mit gezielten kleinen Haken und trockenem Humor eine subtile Anspannung aufzubauen, die sich bis zum Schluss hält, trotz einiger deutlicher Längen. Dabei geht es im Kern um unerwiderte Liebe – jeder begehrt jemanden, den er nicht haben kann: Der Lehrer ebenso wie die Bauernwitwe Marie (Zuzana Bydžovská) - mit der er sich anfreundet - ihr 17jähriger Sohn Lada (Ladislav Šedivý, ein Dörfler, der hinter Marie her ist), sowie ein Städter, der Petr sucht. Das Beziehungsgestrüpp verfilzt sich immer mehr, bis jemand eine widerwärtige Tat begeht, die nur schwer zu verzeihen ist. Das alles passiert im tschechischen Spätsommer, zwischen Ernte- und Kühe-Idylle und Dorffest mit Punk und Gras.
Die Schauspieler zeigen allesamt Bestform, allen voran die schöne Bydžovská, die ebenso viele unerwartete Facetten an den Tag legt, wie Pavel als stets grübelnder Petr. So richtig perfekt zum Sommerausklang eignet sich der Film dennoch nicht: Anstatt sich auf seine sorgfältige Dramaturgie zu verlassen, überlädt Sláma den Soundtrack, in Richtung Melodramatik. In diese Ecke wabert außerdem eine bedeutungsschwangere Kälbchengeburt, die, an sich vielleicht dramatisch, dem Film als Symbolträchtige Botschaft (Versöhnung! Zusammenhalten! Wiedergeburt!) – ans Bein gebunden wird. Wie so oft wäre hier weniger mehr gewesen.
Fazit: "Der Dorflehrer" ist ein geruhsam erzählter, ernsthafter Spätsommerfilm mit verhaltenem Humor und ausgefeilter Dramaturgie. Wer durch Themen wie Einsamkeit und unerfüllte Liebe nicht gleich in Schwermütigkeit oder gar Depressionen verfällt, und wer nicht auf Stakkato-Schnitte besteht, dürfte bestens unterhalten werden. Schwächen liegen in einem gewissen Hang zum Melodramatischen und tatsächlich auch in einer abrupten Wende und dem dazugehörigen Ende, über dessen geschmackliche und erzählerische Konsequenz man sicher endlos streiten kann. Unterm Strich kommt auf jeden Fall ein ästhetisch stilsicheres Drama heraus, das um einiges länger nachwirkt, als die meisten anderen Filme dieses Sommers.





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