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Taking Woodstock
Taking Woodstock
© Tobis Film

Kritik: Taking Woodstock (2008)


Ang Lees "Taking Woodstock" ist genauso mellow, wie das legendäre Musikfestival und eine schöne Ergänzung des Dokumentarfilms - die heute fast mythischen Konzerte sind weder zu sehen, noch zu hören. Der Film dreht sich um das Happening selbst und die Auswirkung auf das Leben eines jungen Mannes, der eher zufällig zu einem der Organisatoren wurde:
Elliot Teichberg (Demetri Martin) ist weder Hippie, noch ein Fan der Bands, sondern ein eher zugeknöpfter junger Mann, der außerdem sein Coming-Out noch vor sich hat. Was ihn treibt, ist die Verpflichtung seinen Eltern gegenüber – jüdische Immigranten, die Mutter eine Holocaust-Überlebende – deren schäbiges Hotel nicht genug zum Leben abwirft. Alljährlich versucht er, auf ihrem Land ein kleines Musikfestival zuwege zu bringen. Doch was mit Woodstock über ihn hereinbricht, übersteigt seine kühnsten Erwartungen.

Ang Lees wahrmherzig-nostalgische Komödie kommt gemächlich ins Rollen und verdichtet sich schließlich zu einem wohlwollenden Blick auf eine Hochphase der Generation, die er in "The Ice Storm" so ernüchtert zurückließ. Dabei spickt er sein jüngstes Werk mit allerlei Reminiszenzen: Vom Splitscreen der Doku über parallel laufende Dialogo à la "M.A.S.H.", eine quirlig-schräge, in einer Scheune hausende Theatergruppe mit Hang zum Nudismus, bis zu Eliot selbst, der entfernt an Dustin Hoffman in "Die Reifeprüfung" erinnert. Sämtliche Beteiligten werfen mit Ausdrücken wie "groovy" und "far out!" um sich. Außerdem lässt Lee Emile Hirsch als verstörter Vietnamveteranen durch die Handlung wanken – was nicht unbedingt hätte sein müssen – und seinen unbedarften Helden einen gekonnt animierten LSD-Trip in einem VW-Bulli erleben…
Unter den Schauspielern ragt vor allem Liev Schreiber als "Vilma" heraus, ein großherziger, cross-dressender Ex-Marine und Securityboss des gigantischen Happenings. Das Gegenstück ist Imelda Staunton als grätzig-verschrobene Mutter Sonia Teichberg – sie soll offensichtlich für komische Szenen sorgen, schrammt aber stets haarscharf an einer Karikatur vorbei. Von den vielen neuen Gesichtern fällt vor allem Jonathan Groff als Michael Lang auf, der fast schon unnatürlich lockere und dabei knallhart kalkulierende Produzent des Festivals.

Im Grunde erzählt "Taking Woodstock" die Coming-of-Age Geschichte von Menschen wie Elliot – in Wirklichkeit Elliot Tiber, auf dessen Memoiren der Film beruht. Der Kontrast zwischen seinen weltfremden Eltern und der revolutionären Aufbruchstimmung seiner Generation macht das Herz des Films aus. Alles in allem ist Ang Lee mit "Taking Woodstock" ein charmant-relaxter Sommerfilm gelungen, der Michael Wadleighs Werk mit einem Blick hinter die Kulissen ergänzt.




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