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Nine
Nine
© 2009 Weinstein Company

Kritik: Nine (2009)


Nachdem er bereits für Filme wie "La Strada" (1954) oder "La dolce vita" (1960) gefeiert worden war, legte der italienische Autor und Regisseur Federico Fellini 1963 das teils autobiographische Drama "8½ (Achteinhalb)" vor. Darin erzählte der Filmemacher von einem Regisseur, der, gebeutelt von Erfolgsdruck und Frauenproblemen, eine massive Regieblockade entwickelt. Während ihm Produzenten und Filmteam im Nacken sitzen, sieht er sich nicht mehr in der Lage, einen sehnlichst erwarteten nächsten Film zu inszenieren und flüchtet sich statt dessen in Tagträume.
Gedreht mit Marcello Mastroiani in der Hauptrolle und Anouk Aimée und Claudia Cardinal als Ehefrau bzw. Geliebte gilt der mit 2 Oscars ausgezeichnete "Achteinhalb" heute als einer der großen Klassiker des italienischen Kinos.

1982 verfassten der Bühnenautor Arthur Kopit und der Komponist Maury Yeston, basierend auf Fellinis Film, das Musical "Nine". Uraugeführt am Broadway wurde das Stück mit dem Tony als bestes Musical ausgezeichnet und in den folgenden Jahren erfolgreich auch auf internationalen Bühnen aufgeführt.

Auf eben jenes Musical stieß Regisseur Rob Marshall auf der Suche nach einem Anschlussprojekt für sein 2002 enstandendes, mehrfach Oscargekröntes Filmmusical "Chicago". Gemeinsam mit Produzent Harvey Weinstein erstand er die Filmrechte, 2006 begann er mit der Arbeit an einer Adaption. Ende 2009 kam das Filmmusical schließlich in die US-kinos und wurde direkt mit 4 Oscarnominierungen bedacht. Auf der gerade beendeten diesjährigen Berlinale wurde "Nine" im Rahmen des Berlinale Special Programms aufgeführt.

In der Rolle des geplagten Regisseurs Guido Contini kann man nun den chamäleonartigen Daniel Day-Lewis bewundern (dessen gefakter italienischer Akzent allerdings auf Dauer etwas nervt). Daneben gibt es reihenweise sexy Stars in Strapsen: Marion Cottilard gibt die betrogene Ehefrau, Penelope Cruz die Geliebte, Nicole Kidman ist als Muse zu sehen, Kate Hudson gibt eine flirtende Journalistin. Last but not least gibt Sophia Loren die (verstorbene) Mutter Continis und Judie Dench erfreut als Kostümbildnerin. Insgesamt konnte Marshall also eine Besetzung um sich scharen, um die er vermutlich von jedem Regisseuren dieser Welt beneidet wird - zumal die Darsteller wohl auch einigen Spaß an der Sache hatten.

Auch sonst stimmt vieles: Die Kostüme sind schön anzusehen, an Musik, Inszenierung, Kamera, Beleuchtung und Schnitt gibt es ebenfalls nicht wirklich etwas auszusetzen. Leider aber findet sich dann doch ein ziemlich dicker Minuspunkt: Das Script. Die Handlung hangelt sich an Fellinis "Achteinhalb" entlang, reduziert sie aber sträflich und wirkt dabei gelegentlich wie der feuchte Traum eines Pubertierenden und ist zudem zusammenhanglos wie eine Nummernrevue. Jede der weiblichen Stars bekommt der Reihe nach ihr Solo (Marion Cottilard werden gar zwei gegönnt), zwischen den Gesangseinlagen finden sich Spielszenen, in denen Day-Lewis ziemlich häufig mit einem babyblauen Alfa Romeo Spider Cabrio durch die Weltgeschichte braust. Das ist alles nicht wirklich dazu angetan, einen emotional zu berühren.
Bei der Vorführung auf der Berlinale haben übrigens merkwürdigerweise gerade die männlichen Zuschauer relativ schnell zuviel von den sexy Superstars in Strapsen gehabt: Der Erste flüchtete nach rund 15 Minuten, weitere folgten im fünf Minuten Takt.

Fazit: Stargespicktes Musical, dass leider wie eine Nummernrevue daher kommt und nicht so ganz zu überzeugen vermag.




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