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Kritik: Außer Atem (1959)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit dem 1960 uraufgeführten "Außer Atem" schuf der damals noch nicht einmal 30-jährige Franzose Jean-Luc Godard ein Schwarz-Weiß-Meisterstück der Nouvelle Vague, das die Kinematografie nachhaltig prägen sollte. Vieles, was Godard hier als Experiment wagte, zählt inzwischen zum Standardrepertoire des Indie-, teilweise gar des Mainstream-Kinos. So setzte der Filmemacher etwa auf Improvisation, drehte im Freien, auf den Pariser Straßen und in Cafés, bei natürlichem Licht und nutzte mit seinem Kameramann Raoul Coutard eine bewusst verwackelte, sehr agile Handkamera. Die Technik des jump cut, bei welcher es bewusst zu Brüchen in der Montage der Bilder kommt, trug ebenfalls dazu bei, sich von den Illusionen und dem artifiziellen Stil der klassischen Hollywood-Studiowelt zu entfernen.

"À bout de souffle" – so der Originaltitel – huldigt der Traumfabrik und deren Ikonen einerseits, indem der kriminelle Protagonist Michel seinem großen Vorbild Humphrey Bogart unentwegt nacheifert und dessen aus diversen Gangsterfilmen bekannte Gesten und Posen imitiert. Andererseits ironisiert Godard das Zitierte, da das Künstliche dieser Art des Kinos und dieser vermeintlichen Coolness deutlich vermittelt wird. Im Gegensatz zu Bogarts Anti-Helden wird Michel scheitern; Godards Werk ist pessimistisch und dennoch wunderschön. Es lassen sich zahlreiche ikonische Szenen finden, denen es gelingt, die Energie von Paris einzufangen und eine wilde Romantik zu veranschaulichen.

Jean-Paul Belmondo als Gauner und Jean Seberg als Studentin mit Vorliebe für das Œuvre des Schriftstellers William Faulkner haben eine knisternde Chemie miteinander und gingen mit ihrem intensiven Zusammenspiel völlig zu Recht in die Filmgeschichte ein.

Fazit: Ein unkaputtbarer, stilprägender Klassiker mit einnehmenden Schauplätzen und einem großartigen Schauspiel-Duo. Immer wieder sehenswert!




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