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Kritik: Der verrückte Professor (1996)


Eddie Murphy kommt endlich wieder aus seiner Versenkung hervor und erscheint uns "größer" und "korpulenter" denn je zuvor. "Der verrückte Professor" stellt die wohl bedeutendste Kehrende im Leben des talentierten Komikers, dessen wohl größtes Problem sein "übertriebenes Selbstbewußtsein" eben gerade diese Talente in den Schatten stellt, dar.
Solche Konflikte bleiben dem Publikum natürlich nicht verschlossen und daher überrascht es um so mehr, daß Murphy bereit zu sein scheint, sein Selbstbewußtsein in Bezug auf die Rolle durch eine Art sympathischen, einnehmenden Charakter überdecken zu wollen. Glücklicherweise gelingt es ihm zeitweilig nicht, sich selbst, sondern wirklich seine Figur, Sherman Klump, einen Menschen ohne den geringsten Funken Selbstvertrauen, zu spielen.
Wären da nicht Eddy Murphy's ausdrucksvolle Augen, so wäre es besonders schwer, ihn in der Figur des verrückten Professors zu erkennen. Einem übergewichtigen, einsamen, dem genauen Gegenteil eines kontaktfreudigen Menschen, dem es gelungen ist, ein Schlankheitsmittel zu entwickeln, welches in der Lage ist, die menschliche DNA zu "rekonfigurieren". Getrieben von der Idee, seinem Liebesleben endlich einen gewaltigen Stoß nach vorne zu verpassen, probiert er das Mittel an sich selbst aus, und heraus kommt der schlanke, schlacksige, egozentrische Body Love. Buddy's Charakter entspricht dabei genau dem des "alten" Eddie Murphy "zum Quadrat".
Der Film ist teilweise genau so schizophren wie sein Hauptdarsteller, ständig zwischen geistreichem Humor, emotionalen Momenten und Witzeleien "unterhalb der Gürtellinie" im Stile eines Richard Priors torkelnd. Abgesehen von der etwas eigenwilligen Humorschiene wird klar, daß die "Doktor Jekyl und Mister Hide"-Masche hier blendend funktioniert. Murphy spielt seine Figur, den chaotischen, weltfremden Professor mit Hingabe und einem derartigen Realismus, daß manch einer gewillt ist zu denken, der Mann würde sich selbst parodieren. Einige sehr scharfsinnige, sarkastische Szenen geben die Idee von der zugrundeliegenden sozialen Problematik wider; der eigentliche Kern der Geschichte geht aber leider etwas aufgrund der Effekt- und Lacher-hascherei unter. Ansonsten bleibt nur zu sagen, daß die Maske und die Effekte von allererster Güte sind.
Regisseur Tom Shadyac ("Ace Ventura - ein tierischer Detektiv") macht das Befremdliche glaubwürdig. Mit Freude stellen wir fest, daß Murphy sein Ego mit Hilfe einer passenden Rolle und einer einnehmenden Geschichte erfolgreich verdeckt. Denn erst, wenn Eddie Murphy nicht mehr Eddie Murphy spielt, ist er für uns zu ertragen. Vielleicht geht es sogar soweit, daß Murphy in einem seiner nächsten Filme ein paar Hauptrollen abgibt...





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