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Kritik: Die Bettlektüre (1996)


Bodypainting Mit einer Gute-Nacht-Geschichte hat Peter Greenaways "Bettlektuere" allenfalls die Naehe zum Kopfkissen gemein. An Einschlafen ist angesichts der brilliant photografierten Bilder, einer erotisch-exotischen Handlung und einem mitreissenden Soundtrack nicht zu denken. Tradition und Moderne, Kunst und Literatur, Liebe und Neid kontrastieren und verbinden sich in diesem hochgenuesslichen Zweistundenfilm auf kunstvolle Weise. Sogenannte Kopfkissengeschichten kennt die japanische Literatur schon seit dem 10.Jahrhundert, der Hofdame Sei Shonagons poetische Aufzeichnungen gelten dort als Klassiker. Nagiko, die Hauptfigur des Films, bekommt Episoden daraus jeweils an ihrem Geburtstag vorgelesen, gleichzeitig pinselt ihr Vater ihr einen traditionellen Gruss auf's Gesicht. Mit ihrer Volljaehrigkeit stirbt dieses Ritual. Die Lust, sich den Koerper beschreiben zu lassen, bleibt. Bald schon reizt Nagiko (Vivian Wu) ihre eigene Haut als Schreibunterlage nicht mehr. Sie sucht sich Maenner zum bepinseln aus. Einer, der Uebersetzer Jerome (Ewan "Trainspotting" McGregor), wird ihr Liebhaber und Komplize. Liebesgedichte auf nackter Haut stimulierten schon in "Gefaehrliche Liebschaften", Greenaway erhebt sie zu einer eigenen Kunstform. Das geht am Ende weit ueber die formelle
Substitution des Koerpers als Medium kalligraphischer Zeichen hinaus, er wird zum Buch, zum Schluessel sexueller Lust und vermisster Rituale. So verwoben wie die Geschichte selbst sind auch die Bilder: Schwarzweissaufnahmen fuer jene Szenen aus der Kindheit, Bildueberlagerungen und Einklinken kleiner Rahmen fordern Auge und Konzentration. Greenaway, dessen Kunstkino zuletzt mit dem "Wunder von Macon" und "Prosperos Buecher" in eher vulgaere Dimensionen abdriftete, hat hier zu seiner aesthetischen und erotischen Sinnlichkeit seiner fruehen Filme zuruechgefunden.

Bewertung: 5 / 5 Punkte





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