VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Nach eigenen Regeln (1996)


"Nehmen Sie bitte Ihre Hüte ab, Gentlemen". Diesen harmlosen Satz darf ein Portier zu jedem sagen, nur nicht den "Hat squad", jenem vierhütigen Polizeigespann aus dem Los Angeles der 50er Jahre. Ohne Notiz zu nehmen dringen sie ein, verprügeln einen Mafiosi und verlassen wortlos das noble Etablissement. Ein echter Cop verlierte damals lieber sein Leben als seinen Hut, und Lee Tamahoris Film "Nach eigenen Regeln" verläßt sich auf alte Vorbilder (wie Polanskis "Chinatown") und ewige Klischees. Das Werk des Neuseeländers (nach "Once were warriors") ist eine Mischung aus Action, Thriller und sanft schwelender Nostalgie - die Atmosphäre ist hier wesentlich wichtiger als der wirre, konstruiert wirkende Plot. Mit in schwarz-weiß gehaltenen Rückblenden werden zunächst die schön-schrecklichen 50er Jahre ins Gedächtnis gerufen, mit all ihrer Perversion: entzückte Partygäste werden gezeigt, ein wuchernder Atompils, ein Staatsoberer beim Liebesspiel mit einer Prostituierten. Max Hoover (Nick Nolte) ist nur ein einfacher Cop, doch die Besuche bei der Prostituierten Allison hat er mit dem Chef der Atomkomission gemein. Als er Allisons Leiche auf einer Anhöhe bei Los Angelos entdeckt, weitet sich eine private Liaison in eine Geheimdienstaffäre von nationaler Dimension.

"Ich bin Cop von L.A., nicht von den U.S.A", lautet Hoovers Devise bei lokalen Prügeleien ohne Verstand und Verhör. Die uniformierten Schläger üben grobe Selbstjustiz in ihrer Stadt, erkennen aber - im Spiegelbild der subtilen Staatsverbrecher - nach und nach die Unrechtmäßigkeit ihres Tuns. Denn nicht nur Hoover & Co handeln "nach eigenen Regeln", als sie Atomsperrgebiet betreten -nach staatseigenem Ritual werden sie abgeführt. Die vier Cops entwickeln eine Männerfreundschaft, in der auch das sensible Moment nicht fehlt: rührend ist hier der Kontrast zwischen dem grobschlächtigen Hoover und dem mimosenhaften Coolidge (Chazz Palminteri), der alles mit seiner Analytikerin bespricht. Die anderen beiden Cops sind nur Stafette, sie dienen eigentlich nur dem Ein- und Aussteigen ins Cabriolet. Hier liegt der eigentliche Schwachpunkt des Films: Wurden sogar kleinste Nebenrollen hochkarätig besetzt, bis zur Krawattennadel auskostümiert und klasse Pilotenstunts hingelegt, so fehlt es fast allen Figuren an charakterlicher Tiefe, der Handlung an Zusammenhang und einem leitenden Motiv. Der innere Konflikt Hoovers, der bei den Ermittlungen hin und hergerissen ist zwischen privater Integrität und scheinheiliger staatlicher Raison, wird erst allmählich offenbar - am Ende ist er ein geknickter Mann, verlassen von der Ehefrau (ergreifend: Melanie Griffith), verfolgt vom CIA, jenseits von Gut und Böse, abseits von der korrumpierten Gesellschaft und bigotten Moral.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.