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Kritik: She's the One (1996)


Beginnen wir mit dem letzten Satz aus meiner Kritik zu Edward Burns Erstlingswerk "KLEINE SÜNDEN UNTER BRÜDERN":
"In Burns steckt ein großes Potential - es bleibt zu hoffen, daß - genügend Zeit und finanzieller Rückhalt vorausgesetzt - dieses in seinem nächsten Werk ausgeschöpft wird." Die Hoffnungen haben sich leider nicht erfüllt. "SHE'S THE ONE" ist der - enttäuschende - Nachfolger von Edward Burns preisgekrönten Sundance-Festival-Gewinners. Seinem ersten Werk konnte man einen gewissen Charme nicht absprechen und allein das faszinierende Momentum, daß die Produktionskosten gerade einmal 25.000 Dollar betrugen, macht diesen Film eigentlich schon zu einer Art Kult. Diesmal, so scheint es, hat Burns zwar den richtigen finanziellen Rückhalt (endlich muß er seinen Vater nicht mehr um $20.000 anbetteln) um sich eine "bessere" Besetzung zu leisten, aber sein Film scheitert an der zeitlichen Komponente. Es ist fast so, als ob ihm ein großes Studio das Angebot gemacht habe einen "bedeutenden" Film zu produzieren und Burns darauf hin überstürzt ein Drehbuch vorlegen mußte. Getreu dem Motto "Was einmal geht, das geht auch zweimal" rezitiert Burns bekannte Arien aus "KLEINE SÜNDEN...".
Wieder einmal ist Burns Author, Regisseur und Darsteller - diesmal in der Rolle des wenig bis gar nicht ambitionierten Taxifahrers Mickey Fitzpatrick - in einer Person und wieder einmal setzt er seine Lebensabschnittsgefährtin Maxine Bahns - diesmal in der Rolle seiner Ehefrau - in Szene. Auch Mike McGlone aus "KLEINE SÜNDEN..." ist mit von der Partie und spielt, wie könnte es auch anders sein, die Rolle seines Bruders. Aufgrund des jetzt gegebenen finanziellen Rahmens hat Burns die Möglichkeit einige "kostenintensive" Ornamente mit in seinen Film aufzunehmen und daher sehen wir z. B. die aus der Fernsehserie "Friends" bekannte Schauspielerin Jennifer Aniston in der Rolle der Ehefrau seines Bruders, John Mahoney als Fitzpatricks' Vater und die aus "DIE MASKE" bekannte Cameron Diaz in der Rolle der nicht eindeutig zu charakterisierenden Heather. Ihre Rolle ist nicht klar festgelegt und permanent schwingt sie von einem Charakter zum anderen - sie ist das Paradebeispiel für die etwas schräge Denkweise des Filmemachers Burns. Kernpunkt der Geschichte ist die spontane Vermählung von Mikey und seinem weiblichen Fahrgast Hope nachdem sie sich gerade mal 24 Stunden kennen - und um kurze Zeit später festzustellen (welch Wunder), daß man sich eigentlich überhaupt nicht richtig kennt...z.B. weiht Barfrau Hope ihren Partner Mikey natürlich erst in ihre Pläne ein nach Paris zu fahren, "nachdem" der Ehering an ihrem Finger glänzt uns sie in einem kleinen Appartement in Greenwich Village wohnen.
Mickeys' Bruder - widerlicher Börsenhai an der Wallstreet - weigert sich mit seiner sexuell ausgehungerten Ehefrau "intim" zu werden und zieht derweil eine Affäre mit Heather, einer versnobten Geschäftsfrau die sich ihr Studium finanzierte, indem sie nebenbei als Call-Girl arbeitete, vor. Und um die Verwirrung komplett zu machen, ist Heather auch noch Mickeys' Ex-Verlobte. Den beiden Brüdern steht ihr komischer Kauz von Vater zur
Seite, der diese verspottet, indem er sie permanent mit "Mädchen" tituliert, und genau wie in "Kleine Sünden..." hat sich die Mutter aus dem Staub gemacht. Burns hat als Schauspieler einen gewissen (konstruierten) Charme aber die potentiellen Pointen werden durch langatmige Dialoge über Vibratoren, Bruderschaft, Sex und wieder über Bruderschaft, durch Häufung von Worthülsen und durch diese "Herren", dessen emotionale Entwicklung auf der Stufe eines fünfjährigen Kindes stagniert ist, völlig zunichte gemacht. So kommt beim Zuschauer nur eines auf: pure Langeweile und wahrscheinlich der spontane Ausruf "WERDET ERWACHSEN".




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