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Kritik: Harald (1997)


"Guten Morgen - ich bin der Ihnen zugeteilte Ausserirdische!" Mit diesen Worten und einem Laecheln auf den Lippen steht Harald vor Ricas Tuer. Sein schwarzer Anzug verpasst die Mode um knapp ein Jahrzehnt, aber sonst wirkt Harald sehr durchschnittlich. Da die lektorierende Autorin gerade mit besonders miesen Science-Fiction-Manuskripten beschaeftigt ist, schmeisst sie ihn raus. Doch Haralds freundlich geduldiges Verharren sowie ein ausserirdischer Terminkalender bringen beide zusammen. Harald erklaert linkisch, er sei "eher der abenteuerliche Typ" und habe sich deshalb fuer das halbzivilisierte Deutschland entschieden. Kalifornien waere sowieso zu ueberfuellt von Sirius-Touristen mit Standard-Einsteigerkoerper, Modelle Bruce und Cindy. Haralds verblueffende Freundlichkeit basiert auf der einzigen Eigenschaft, die ihn von den Menschen unterscheidet: Harald kann nicht luegen. Er wirkt anfangs wie ein galaktischer Mr. Bean und nistet sich mit seiner Offenherzigkeit als zweiter Mork vom Ork bei der Erdenfrau Rica ein. Die Erkundung von Land und Leuten stellt mit dem naiven Blick des Fremden Alltaegliches ungewollt bloss. Besonders Frido, Ricas eifersuechtiger Ex-Freund, erlebt immer neue Ueberraschungen. Nach einem fuer beide Seiten lehr- und aufschlussreichen Dreiwochen-Urlaub muss Harald heimkehren - doch im Gegensatz zu "E.T." gibt es ein Wiedersehen. Harald startet als One-Man-Show mit Slapstick und wilden Koerperverrenkungen. Als sich der Ausserirdische zunehmend an seinen "Einsteigerkoerper in Standardausfuehrung" gewoehnt, verlagert sich die Komik ins Dialogische und Gestische. Das freundliche Nachaeffen kehrt beleidigende Fingerzeige schelmisch gegen ihre Benutzer. Prompt retournierte Redewendungen werfen ihren wortwoertlichen Sinn dem verdutzten Anwender an den Kopf. Da ist es sinnvoll, mit unreflektierten Typen wie dem Ruhrpoot-Proleten Frido zu arbeiten, der mit seinem einfachen Schema immer wieder in die deplazierten Freundlichkeiten Haralds hineinrennt. Auch ein geiziger Hausbesitzer oder Ricas verklemmter Verleger bereichern die parodistische Typensammlung. Die mit 3,5 Millionen DM recht preiswerte Produktion funktioniert mit viel Wortwitz und ganz wenigen Tricks. Die einfachen Sets sind umso ideenreicher ausgestattet. Eine einfache Nacherzaehlung der Handlung laesst das Beste an "Harald" vermissen, den reichen Dialogwitz von Juergen Eggers Buch. Manche Seiten Dialogauszug enthalten mehr Spass als ganze "deutsche Komoedien". Der Autor und Regisseur studierte in Muenchen zusammen mit Soenke Wortmann, der auch einen Kurzauftritt als "Pannenhelfer des deutschen Films" hat. Von Eggers Drehbuechern wurden bislang "Der schoenste Busen der Welt" (von Rainer Kaufmann) sowie "Kleine Haie" (Soenke Wortmann) realisiert. Der gleitende Uebergang vom galaktischen Kinowelt-Verleihvorspann zur Filmhandlung auf der Erde macht schnell die Beteiligung der Kinowelt Produktion von Thomas Haeberle deutlich. Nach mehreren Koproduktionen ist der ostenguenstig gedrehte "Harald" Beginn einer Reihe eigenstaendiger Projekte.





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