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Kritik: Carla's Song (1996)


“Carla´s Song” ist eine kleine, private Beziehungsgeschichte und gleichzeitig der große Versuch einer politischen Aufarbeitung mittelamerikanischer Historie der 80er Jahre. Zwei unkomplizierte Menschen geraten in eine komplizierte und komplexe Situation, in der sie sich Vertrauen und gegenseitiges Verständnis hart “erkämpfen” müssen. Der britische Regisseur Ken Loach (“Raining Stones”) benutzt diesen intimen Kampf als Ausgangspunkt für die quasi-dokumentarische Schilderung eines fast undurchschaubaren und unüberblickbaren Konfliktherdes. Daß Loach seine Figuren Carla und George trotz dieses über weite Strecken spürbaren, dokumentarischen Anspruches nicht mißbraucht und plump instrumentalisiert, verdankt der Film seiner eindeutigen Stellungnahme. “Carla´s Song” ist subjektiv, ist einseitig, ist parteiisch. Das ist eigentlich eine Schwäche, aber in diesem Fall eine eindrucksvolle Stärke. Denn subjektiv schildert Loach die unermeßlichen Folgen von Gewalt, sowohl offensichtliche Narben als auch “innere” Verletzungen. Denn einseitig und vehement tritt er für die Menschenrechte ein. Und parteiisch, fast verbittert greift er unter dem Deckmantel der Demokratie stehende Institutionen an, die sich nicht zum ersten und sicherlich nicht zum letzten Mal eine goldene Nase am Leiden und Tod von tausenden Menschen verdient haben. So politisch-ambitioniert sich “Carla´s Song” in der zweiten Hälfte gibt, so intensiv konfrontiert uns der Film auch mit sensiblen Beobachtungen über Heimatgefühle, Führungsrollen in einer Partnerschaft und mit einer unverkrampften und ungeschminkten Liebesgeschichte. Auch wenn man Ken Loach aufgrund dieses eindeutigen, dramaturgischen und erzählerischen Leitfadens seine dokumentarischen Bemühungen zunehmend nicht mehr abnimmt, bleiben Carla und George die fiktiven Zeitzeugen realer Ereignisse, die uns daran hindern, sagen zu können, wir hätten von allem nichts gesehen und nichts gehört.




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