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Kritik: Feuerreiter (1998)


Wenn man die altbackene Ästethik eines Fernsehspiels mit den dramatischen Untiefen einer Deutschstunde verquickt, kann das Ergebnis eigentlich nur enttäuschen: Zwar versucht Nina Grosses Hölderlin-Biographie "Feuerreiter" den schwierigen Romantiker als tragische Gestalt zu beschreiben, versäumt es aber, ihn auch als Identifikationsfigur zu etablieren, für man als Zuschauer mehr als nur kopfschüttelndes Bedauern empfinden kann.

Der von Martin Feifel verkörperte Dichter mutiert dabei zum unverbesserlichen Sturkopf, dessen Lebensinhalt scheinbar darin besteht, sämtliche ihm wohlmeinende Menschen vor den Kopf zu stoßen. Sei es Hölderlins tragische Liebschaft mit der Ehefrau seines Arbeitgebers, die homoerotische Beziehung zum Baron von Sinclair oder die konsequente Mißachtung jedes gutes Rats seiner Freunde Schelling und Hegel – am Ende reduziert der Film den Dichter zur eindimensionalen Figur: ein Mensch mit dem unerschütterlichen Dang, sich selbst und seine Umgebung ins Unglück zu stürzen.

Daß viele der im Film behaupteten Fakten und Begebenheiten nicht dem aktuellen Stand der Hölderlin-Forschung entsprechen und damit wohl selbst eher dem Reich der Dichtung als dem der Wahrheit zuzuordnen sind, wäre durchaus verzeihlich, käme die damit gewonnene künstlerische Freiheit – wie etwa bei Milos Formans "Amadeus" – der Ausdruckskraft des filmischen Werks zugute.

Das Gegenteil aber ist der Fall, und so enttäuscht "Feuerreiter" am Ende sowohl das intellektuell-literarische als auch das cineastische, an einer packenden Geschichte interessierte Publikum.




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