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Die Truman Show
Die Truman Show
© United International Pictures

Kritik: Die Truman Show (1998)


Stell Dir vor, Du kratzt Dich am Kopf und die ganze Welt schaut zu. Truman Burbank (Jim Carrey) kratzt sich am Kopf, verliert als Kind seinen Vater, arbeitet, schläft, verliebt sich und die ganze Fernsehnation beobachtet sein Schicksal, das kein Schicksal mehr ist. Denn Truman ist seit seiner Geburt unwissentlich die Hauptfigur des gigantischen TV-Projekts "The Truman Show", rund um die Uhr, ein ganzes Leben lang.

Am ersten Tag erschuf man für ihn die Studioinsel Seahaven Island, eine idyllische Kleinstadt, gespickt mit versteckten Kameras. Und man sah, daß es gut war. Es werde Licht spricht der Schöpfer des 24 Stunden-Programms, und ein gewaltiger Scheinwerfer nimmt seinen Platz als Sonne auf einer künstlichen Himmelskuppel ein. Und man sah, daß es gut für die Quote war. Es regnet auf Knopfdruck, selbst Ehefrau und bester Freund von Truman sind nicht mehr als Schauspieler in einem instruierten Komparsenheer. Fast alles in Trumans faked world funktioniert wie im richtigen Leben, aber eben nur fast. Denn der Reality-Star beginnt sich plötzlich außerhalb der Drehbuchvorlagen zu bewegen.

Eine fast unglaublich Grundidee für einen unglaublichen Film. Alle Jahre wieder passiert es eben doch noch: Das Kino bekommt einen seiner unantastbaren Helden. Truman Burbank steht ganz in der Tradition des kleinen Mannes, den außergewöhnliche Ereignisse in einer aus den Fugen geratenen Umwelt überlebensgross, zum Helden werden lassen.

Aus der ambitionierten Drehbuchvorlage von Andrew Niccol ("Gattaca") hat ("Der Club der toten Dichter") eine neue, nur so vor Ideen, kleinen Details und beiläufigen Seitenhieben sprühende Variante dieses fast märchenhaften Kinotraums gemacht. Truman im Wunderland! So wie man Forrest Gump vier Jahre zuvor durch die jüngste amerikanische Geschichte stolpern ließ, stolpert nun Truman Burbank in seiner Fernsehlandschaft umher und bringt dabei eine ganze Branche zu Fall.

Man muß sich eben nur mit aller Konsequenz an die Gesetze der Glotze halten, um den ganz normalen Fernsehwahnsinn für jeden sichtbar zu machen. Genau dies ist den Machern gelungen, unaufgesetzt und mit der richtigen Mischung aus Zynik und bittersüßem Humor. Wenn Trumans Ehefrau sich als zahnpastagrinsender Werbeträger präsentiert, wenn Dialoge in bester Seifenopermanier eine herzergreifende Familienzusammenführung umrahmen, selbst dann funktionieren Fernsehstandards, die man kurz zuvor noch entlarvt zu haben glaubt. Denn trotz aller Hintergründigkeit leidet man in erster Linie mit Truman, man trauert und triumphiert mit ihm. Es gibt eben fast nichts schöneres als Geschichten, die das Fernsehen schrieb, auf den Leinwänden des Jahres 1998 bestimmt nichts, das intelligenter unterhält als "The Truman Show".





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