VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Desperate Measures (1998)


Ein Film aus Verzweiflung?

Es gibt eigentlich keinen vernünftigen Grund, einen verurteilten und inhaftierten Serienkiller auch nur kurzzeitig aus der sicheren Zelle zu entlassen. Doch der Polizeibeamte Frank Connor (Andy Garcia) sieht das ein wenig anders. Denn dummerweise ist der gefährliche Psychopath Peter McCabe (Michael Keaton) scheinbar der einzige Mensch auf der großen, weiten Welt, der als Knochenmarkspender für den leukämiekranken Sohnemann Matthew in Frage kommt. Und da die Spendeprozedur in einer beengten Zelle natürlich nicht möglich ist, transportiert man den einstigen Lebenskiller als potentiellen Lebensretter ins nahgelegene Krankenhaus, wo der kleine Matthew natürlich schon sehnsüchtig auf die Beendigung seines lebensbedrohlichen Schicksals wartet. Natürlich findet eine solche Operation unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Und natürlich scheint alles vollkommen risiko- und komplikationslos über die Bühne gehen zu können. Klar, man ahnt es! Denn nicht von ungefähr bewirbt sich "Desperate Measures" selbstverständlich reißerisch als Thriller. Und so kann sich der gemeingefährliche Mörder selbstverständlich gegen Handschellen und sonstige beweglichkeitseinschränkende Kinkerlitzchen durchsetzen und verwandelt das angebliche Hochsicherheitshospital selbstverständlich in einen außer Kontrolle geratenen Krankenhausparkur im Krisenzustand gespickt mit zweckentfremdeten, medizinischen Geräten. Wie gesagt, alles selbstverständlich und natürlich!

Bei soviel natürlichem Selbstverstand ist logischerweise nicht mehr viel überraschend; da die Welt der Operationssäle und Krankenzimmer schon immer gut als ungewöhnlicher Handlungsort herhalten konnte; da sich Regisseur Barbet Schroeder ("Weiblich, ledig, jung sucht ...") schon mehrmals erfolgreich im Thrillermillieu tummelte; und da man Michael Keaton trotz stellenweiser Fratzen und Phrasen den diabolischen Psychokiller gerne abnimmt, ist aus "Desperate Measures" letztendlich ein durchweg unterhaltender Spannungsträger entstanden. Auch wenn das Krankenhaus gegen Ende mehr und mehr seinen dramatischen Reiz verliert. Auch wenn der Film die psychologische Dimension der Spender-Empfänger-Thematik nur oberflächlich streift und sich an manchen Stellen im überladenen Spektakel verfängt, bleibt ein Durchschnittsprodukt zurück, bei dem das Mittelmaß nicht sofort Langeweile bedeuten muß.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.