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Kritik: Office Killer (1996)


Das fotografische Werk der New Yorker Künstlerin Cindy Sherman zählt zu
den meist beachteten und interpretierten der letzen 30 Jahre. Die
verschiedenen theoretischen Diskurse, denen die Arbeit Shermans unterworfen wurde, machen deutlich, dass ihr Werk auf mehrere Arten lesbar ist. So können ihre Bilder je nach Blickwinkel kulturhistorisch, psychologisch oder feministische analysiert werden.
Besonders gerne allerdings sind die Arbeiten Shermans von den Gender
Studies in Anspruch genommen und im Kontext mit feministischen Theoretikerinnen
wie Judith Butler und Julia Kristeva betrachtet worden. Ausgangspunkt für
diese Affinität ist sicherlich Shermans erste weitbeachtete Fotoserie "Film
Stills" (von 1975 bis Anfang der Achtziger). Cindy Sherman posiert selbst als
ein fiktiver Charakter aus einem fiktiven Film. Zuerst in Schwarz-Weiss,
später in Farbe variiert sie diverse (stereotype) weibliche Rollen und spielt
mit den Erwartungen unserer Kultur und Medien ("Liegt die Identität innerhalb
oder ausserhalb der Repräsentation?"). Von 1985 bis 1991 schuf Sherman die
"disgust pictures" und die "civil war" Serie, in denen sie verstümmelte und
verwundete Körper zeigte - ein Grund, warum Ausstellungen von Shermans
Fotografien oft nicht für Kinder zugänglich sind.

Cindy Shermans erste Regiearbeit von 1997 weist deutliche Parallelen zu
ihrer Fotokunst auf. Jedoch ist nicht das Thema Horror die Verbindung zwischen
Fotoarbeit und Film, noch ist es das Spiel mit den Frauenrollen - diese
sind im Film allesamt überzeichnet und spielen ironisch mit den Klischees.
Vielmehr ist es die visuelle Arbeit der Regisseurin. Jede einzelne Szene wirkt
streng inszeniert und ist genau arrangiert. Die Einstellungen und
Blickwinkel sind oft ungewöhnlich und vermitteln eine andere Sicht auf das Genre.
Allerdings wirkt das Drehbuch teilweise überraschend schwach. Die
Motivation von Dorinne wird nicht klar herausgearbeitet und scheint an den Haaren herbeigezogen, so manches wirkt sprunghaft und flach. Barbara Sukowa als
Chefin Virginia ist leider ebenso ein Ausfall, die Überzeichnung der hysterischen Erfolgsfrau wirkt nicht ironisierend, sondern nur albern.
Die Horrorelemente sind zumeist überflüssig: Wer Splatterfilme wie Bad
Taste oder Braindead mag, wird sich langweilen, andere werden ihre
Notwendigkeit bezweifeln.

Dennoch: Office Killer ist ein Film für den zweiten Blick. Erst im Nachhinein wird die Intention Shermans deutlich. Beim ersten Sehen kann man sich zumindest an der sehr interessanten und "anderen" Bildsprache Shermans erfreuen.





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