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Kritik: Liebe und andere Katastrophen (1996)


Liebe - unerwiderte Liebe, endende Liebe, körperliche Liebe, einseitige Liebe, geheuchelte Liebe, lesbische Liebe.
Katastrophen - Beziehungsstress, drohende Zwangsexmatrikulation, Sinnkrise, Geldnot, Eifersucht, WG-Auseinandersetzungen, verzeifelte Wohnungssuche, Dozententot. Mia, Alice, Danni, Ari, Michael - drei Studentinnen und zwei Studenten und Liebe und Katastrophen. In einer australischen Universitätsstadt erleben fünf junge Menschen das harte Schicksal des Studentendaseins. Michael sucht eine neue Bleibe, seine bisherigen Mitbewohner kotzen ihm schon jetzt morgens beim Zähneputzen ins Waschbecken. Das ist wirklich zuviel! Mia und Danni sind eigentlich ein glückliches Paar, doch Danni meint ihren persönlichen Freiraum mit einer neuen weiblichen Bekanntschaft erweitern zu müssen. So geht´s nun wirklich nicht! Alice kämpft mit der schon längst überfälligen Doktorarbeit und traut sich nicht ihren neuen Schwarm anzusprechen. Zum Verzweifeln! Und Ari zweifelt grundsätzlich an seiner Beziehungsfähigkeit und verdient sich nebenbei ein Taschengeld als Gigolo. Auch ziemlich frustrierend!
Die australische Regisseurin Emma-Kate Croghan, gerade einmal 23 Jahre alt, verbindet in ihrem Erstlingswerk die Schicksale dieser fünf Studenten zu einer leichtfüssigen und unbeschwerten Generation X-Komödie. Mit einem außerordentlichen Einfallsreichtum läßt sie ihre Protagonisten durch eine Vielzahl von Irrungen und Wirrungen stolpern, zeichnet ihre Charaktere mit intensivem und glaubwürdigem Ausdruck. Nicht zuletzt das Spiel der Laiendarsteller und die Auftritte vieler skuriller Nebenfiguren verhelfen dem Film zu einer außerordentlichen Realitätsdichte. Ein Donut-abhängiger Professor, gehässige Bibliotheksbedienstete - ein gehöriger Schuß autobiographischer Einflüße aller Beteiligten und das gelungene Improvisationsspiel zeichnen Figuren und Umfelder, wie sie das Leben nicht besser hätte erfinden können.
Aber auch in filmischer Hinsicht hat die Low-Low-Low-Budget-Produktion (40.000 $ !!!) einiges zu bieten. Mit einem feinfühligen Gespür für Atmosphäre baut die Regisseurin quasi-dokumentarische Amateuraufnahmen der Hobbyfilmerin Alice in den Handlungsablauf mit ein und verleiht dem Streifen dadurch seinen intimen Charme. Darüberhinaus überrascht Liebe und andere Katastrophen durch das abwechslungsreiche Spiel mit Einblendungen von Redensarten, Zitaten und Spruchweisheiten der unterschiedlichsten historischen Persönlichkeiten. So haben Hitchcock und Konsorten immer einen komischen, überschreibenden oder pointierten Kommentar zu den einzelnen "Katastrophenkapiteln" des Filmes übrig. Nette Einfälle, witzige Ideen - Emma-Kate Croghans Debüt sprüht nur so von Kuriositäten und scharf beobachteten Kleinigkeiten.
Was "Liebe und andere Katastrophen" darüberhinaus zu einer kleinen Besonderheit macht, ist der problemlose, fast spielerische Umgang mit Homosexualität. Mit einer beieindruckenden Normalität plaziert Emma-Kate Groghan ihr lesbisches Paar Danni und Mia inmitten der anderen liebenden oder um Liebesglück ringenden Twens. In Zeiten, in denen Homosexuelle oft nur noch als Komödienclowns, Serienkiller oder Tragikfiguren herhalten müssen, erfrischt der australische Jungfilm mit dem wirklich unverkrampften Umgang mit einem Randgruppenthema und setzt damit den außerordentlich kreativen Trend eines neuen australischen Kinos fort, das sich vor allem seit Beginn der 90er Jahre gesellschaftlichen Tabus mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit und Unvoreingenommenheit nähert. Trotz einiger thematischer, inhaltlicher und stilistischer Ähnlichkeiten zu amerikanischen Generation X-Produktionen wie "Reality bites - Voll das Leben" oder "Singles - Gemeinsam einsam" ist "Liebe und andere Katastrophen" eine interessante, unterhaltsame und bereichernde Variante der Zeitgeist-Komödie der 90er.





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