VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Mulan (1998)


Disney goes East: Der 36. abendfüllende Beitrag aus dem Haus von Micky Maus ist ein epischer Film über Krieg, Verlust, Verzweiflung und Tod, über Macht und Gehorsam, Emanzipation und Erfindungsgeist - und ein wenig Liebe. Vor allem aber geht es darum, wie man ein starres System von innen heraus verändern kann.

Starker Tobak: Waren Disneys bisherige Bösewichte meist ironische Figuren mit allzu menschlichen Zügen, werden die Hunnen hier zu gnadenlosen Kampfmaschinen reduziert, in deren Schatten das chinesische Reich zu versinken droht. Kein Zweifel: In "Mulan" steht alles auf dem Spiel - Disney ist erwachsen geworden.

Trotzdem gelingt dem auf einem chinesischen Volksmärchen basierenden Film die Quadratur des Kreises: Denn ohne oberflächlich zu werden oder den Zeigefinger zu erheben, erzählt "Mulan" seine Geschichte mit erfrischender Leichtigkeit. Jenseits der Schwermut des "Glöckners von Notre Dame" und der politisch überkorrekten "Pocahontas" amüsiert man sich hier wie im "König der Löwen": die Figuren sind zum Lachen, ohne lächerlich zu wirken. Dabei kann es der im Original von Eddy Murphy gesprochene Drache Mushu sogar mit dem Flaschengeist aus "Aladdin" aufnehmen.

Mulan ist Disneys emanzipierteste Trickfilmheldin und trotzdem keine Emanze: Denn dieses Mädchen braucht keinem Märchenprinzen schöne Augen zu machen. Mulan benutzt lieber ihren Verstand und vertraut ihrem Mut.

Vier Songs von Matthew Wilder und David Zippel treiben die Handlung voran, doch "Mulan" ist kein typisches Disney-Musical, sondern ein durchdachter Spielfilm in bester Hollywood-Manier, bei dem man rasch vergißt, daß die Charaktere nur gezeichnet sind: Übergangslos verbindet sich die in zarten Pastelltönen gehaltene und von asiatischen Einflüssen geprägte Animation mit computergenerierten Elementen, die dem Film zur erzählerischen auch die nötige räumliche Tiefe verleihen.

Unter dem Eindruck wachsender Konkurrenz durch neue Trickfilmstudios ist man bei Disney offenbar zu allem bereit: Durfte sich "Die kleine Meerjungfrau" noch vom Mädchen zur Frau entwickeln, mutiert Mulan direkt zum Mann.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.