VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Amistad
Amistad
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Amistad (1997)


Die Dublizität der Ereignisse ist schon erstaunlich. Als Spielberg im Spätsommer 93 mit "Jurassic Park" zum x-ten Mal den erfolgreichsten Film aller Zeiten vorlegte, folgte bereits ein halbes Jahr später mit "Schindler's Liste" ein immens ambitioniertes und nicht minder gelungenes Werk. Dem müden Dino-Aufguß "Vergessene Welt" folgt nun ebenfalls nach einem halben Jahr mit "Amistad" erneut ein engagiertes Politdrama, das freilich an moralischer wie künstlerischer Intetrität "Schindler's Liste" nicht das Wasser reichen kann.
"Amistad" thematisiert die Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Historischer Aufhänger ist ein exemplarischer Vorfall aus dem Jahr 1839. Im Sommer diesen Jahres kam es vor der Küste Kubas zu einer Revolte auf dem spanischen Sklavenschiff "La Amistad". 53 Afrikaner übernahmen das Schiff, nachdem sie bis auf zwei Seeleute die Besatzung umgebracht hatten. Diese beiden sollten sie zurück in ihre Heimat bringen. Navigatorisches Unvermögen und vielleicht auch ein wenig Hinterlist führten jedoch dazu, daß das Schiff ganze 2 Monate vor der amerikanischen Küste vor sich hindümpelte, bevor es schließlich von der amerikanischen Marine aufgebracht wurde. Die Afrikaner wurden erneut in Ketten gelegt und eingekerkert. Der Prozeß, der ihnen dann gemacht wurde, geriet zu einem exemplarischen Stück amerikanischer Rechtsgeschichte. So zynisch die Auseinandersetzung zwischen den unterschiedlichsten Prozeßteilnehmern bzw. Interessenvertretern geführt wurde, in der Nachbetrachtung läßt sich sagen, daß der menschenverachtenden Charakter der Sklaverei selten so offenlag wie in dieser Verhandlung. Zwei Jahre und durch sämtliche Instanzen wurde gestritten, amtierende und Ex-Präsidenten waren involviert. Und als die 53 Afrikaner schließlich in die Freiheit entlassen wurden, hatte zwar die Gerechtigkeit gesiegt, sie hinterließ jedoch ein zutiefst gespaltenes Land und Wunden, die bis heute nicht verheilt sind.
Wie bei den meisten aufrechten und gut gemeinten Filmen jenseits von kommerziellen Spekulationen, fällt es auch bei "Amistad" recht schwer, die Schwachpunkte aufzulisten. Leider sind sie hier allzu augenfällig. Dem Film fehlt einfach ein dramaturgischer Kniff. Das Ganze plätschert über eine Stunde brav vor sich hin. Hinzu kommt, daß das Personal unübersichtlich ist, weil keiner der Charaktere mal präzisiert oder entwickelt wird. In der zweiten Hälfte, und nach einer Rückblende auf die Ereignisse auf der Amistad, packt die Geschichte dann doch noch, in Maßen freilich. Besonders nervig kommen die angestrebten Gänsehaut-Sequenzen daher, wenn arg kalkuliert die Chöre jubeln und die Geigen jammern (für sowas ist wie stets John Williams zuständig). Auch verblüffen wirklich erstaunliche Regiefehler. So ist Anthony Hopkins als greiser Ex-Präsident mal gebrechlich von Krücken gestützt, und in der Anschlußszene geradezu putzmunter.
Fazit: Nach seinem nächsten Versuch die eigenen Kassenrekorde zu brechen, sollte sich Spielberg vielleicht ein bißchen mehr Zeit lassen, wenn es darum geht, sich und dem Publikum zu beweisen, daß er mehr als das kann.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.