VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Wunsch und Wirklichkeit (1998)


Ein recht kurioser Zwitter ist es, der uns da unter dem eher beliebigen Titel "Wunsch & Wirklichkeit" ins (Lichtspiel-) Haus schneit: Ein bißchen Komödie, ein bißchen Drama, reichlich Melodram und ein Schuß Krimi. Ziemlich viel auf einmal für knappe zwei Stunden Film, könnte da geargwöhnt werden. Und wer dies tut, der hat Recht. Trotzdem kann man dem Film nicht so recht böse sein: Er ist mit Kenneth Branagh, Madeleine Stowe und William Hurt prächtig besetzt, elegant inszeniert, stimmig ausgestattet, und die Story ist alles andere als vorhersehbar. Wobei freilich sämtliche dieser Pluspunkte leider keineswegs ungetrübt strahlen. Aber der Reihe nach.

Die Geschichte ist im Boston der 30er Jahre angesiedelt. Mit an der Spitze der feinen Gesellschaft der Metropole steht das Ehepaar Eleanor und Arthur Barret, sie eine emanzipierte Schriftstellerin, er ein erfolgreicher Anwalt. Wie auch andere Mitglieder des gehobenen Bürgertums geben sich die Barrets liberal und sind tagsüber damit beschäftigt, ihren beträchtlichen Wohlstand zu mehren. Dennoch lastet auf ihrer Ehe ein Schatten. Der sehnlichst erwünschte Nachwuchs will sich nicht einstellen, Arthur ist zeugungsunfähig. Aber, aufgeklärt wie man im Hause Barret ist, wird eine ungewöhnliche Lösung des Problems angegangen. Für eine Nacht wird ein Ersatzehemann gekauft, der an des Gatten Statt die Dame des Hauses beglücken soll. Ein junger, vielversprechender Jurastudent übernimmt den verantwortungsvollen Part. Doch der Plan der Barrets läuft aus dem Ruder, als, was nun wirklich nicht vorgesehen war, von Seite des Studenten Liebe ins Spiel kommt. Arthur beäugt die fatale Entwicklung der Dinge mißtrauisch. Dies wiederum paßt seiner Frau nicht. Sie wendet sich hilfesuchend an einen jungen Pfarrer. Damit jedoch treibt das komplizierte Beziehungsgeflecht endgültig in tragische Gefilde ab.

Der Hauptschwachpunkt von "Wunsch & Wirklichkeit" ist zweifellos die ungeschickte Dramturgie. Gleich mehrfach kommt die story und damit die ganze Stimmung des Film ziemlich ins Schleudern. Im Grunde haben wir es mit zwei unterschiedlichen Teilen zu tun. Der erste ist eine durchaus vergnügliche Salonkomödie, der zweite dann leider ein zum Teil unfreiwillig komisches Melodram. Gut und schlecht liegen im ganzen Film dicht beieinander. Am dichtesten jedoch an einer zentralen Stelle nach etwa einer Stunde, wo eine wirklich geglückte Überraschung im nächsten Moment ins Lächerliche kippt. Noch ein Beispiel: Die Ausstattung des Films ist sorgfältig und liebevoll. In einigen Außen-Sets müssen dann aber Dutzende von blankpolierten Oldtimern, die alle gleich aussehen und völlig steril wirken, durchs Bild gejagd werden. Und ein letztes: Es ist durchaus ein Reiz von "Wunsch & Wirklichkeit, daß man zu keiner Zeit weiß, wie die Geschichte nun weitergeht. Dieses positive Moment wird aber ab und zu durch vorrausschauende Kommentare eines überflüssigen Off-Erzähler wieder relativiert. In den gängigen Bewertungsskalen läuft so ein Film unter "zwiespältig".





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.