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Kritik: Red Corner (1997)


Wenn der bekennende Buddhist und erklärte Freund des Dalai Lama, Richard Gere, in einem Film über das chinesische Rechts- bzw. Justizsystem mitspielt, dann sollte man doch eigentlich einen grobgestrickten Propagandastreifen erwarten. Um so größer ist die Überraschung, daß "Red Corner" genau dies nicht ist. Vielmehr haben wir es mit einem über weite Strecken packenden Politthriller zu tun, der in seinen besten Momenten an die frühen Filme von Costa-Gavras erinnert.
Richard Gere spielt den erfolgreichen Wirtschaftsanwalt Jack Moore, der einen Vertrag über amerikanisch-chinesische Satellitenkommunikation unter Dach und Fach bringen soll. Vor Ort in Peking wird ihm das für seine Kreise typische Freizeitverhalten zum Verhängnis. Nach einer feucht-fröhlichen Nacht liegt seine einheimische Begleiterin mausetot und offensichtlich ermordet neben ihm. Moore findet sich wieder im Räderwerk der chinesischen Justiz, innerhalb von Stunden gerät seine Welt aus den Fugen.
Von den alles andere als zimperlichen Vernehmungschergen erfährt er, daß auf ihn das Todesurteil wartet. Dem Amerikaner wird eine chinesische Pflichtverteidigerin zur Seite gestellt, die ihn davon überzeugen soll, sich schuldig zu bekennen, die einzige Möglichkeit mit dem Leben davon zu kommen. Moore jedoch besteht auf seiner Unschuld. Und nachdem in der Tat immer mehr Indizien auftauchen, die dafür sprechen, regen sich auch bei der Verteidigerin Zweifel, und sie beginnt ihrem Mandanten zu glauben und weiter zu recherchieren. Damit stellt sie sich natürlich nicht nur gegen den Staatsanwalt, sondern quasi gegen das ganze System. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf, nicht nur gegen die Uhr, vor allem gegen tiefverwurzelte autoritäre Strukturen.
Es sind vor allem zwei Faktoren, die für "Red Corner" einnehmen. Zum einen verfügt der Film über ein präzises Timing. Die Spannung wird sorgfältig aufgebaut, und überraschende Wendungen sorgen für einige Verblüffung. Zum anderen ist mit der eigentlichen Hauptfigur des Films, der einheimischen Verteidigerin, ein überaus stimmiger Charakter gelungen, dessen elementarer Sinneswandel überzeugend entwickelt wird. Zu den Überraschungen von "Red Corner" gehört übrigens auch, daß die amerikanische Botschaft in der ganzen Affäre eine äußerst unrühmliche, um nicht zu sagen miese, Rolle spielt.





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