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Kritik: Event Horizon - Am Rande des Universums (1997)


Mischformen klassischer Film-Genres dürften in etwa so alt sein wie die Genres selbst. Und oft funktioniert eine solche Quasi-Verdoppelung ja auch vorzüglich, wie im Fall von Science Fiktion und Horror gerade kürzlich bei "Alien 4". Auf den Spuren des Bösen in den Tiefen des Weltraums wandelt nun auch der junge Engländer Paul Anderson mit seiner zweiten Hollywood-Produktion "Event Horizon". Daß das Werk seine Zuschauer jedoch einigermaßen ratlos und verwirrt entläßt, hat gleich eine ganze Latte von Gründen (letztlich aber vor allem einen).

Da ist zum einen die konfuse Story:

Im Jahr 2047 ist eine Rettungsexpedition unterwegs zum Jupiter. Dort wurde ein 7 Jahre zuvor verschwundenes Raumschiff, die "Event Horizon", gesichtet. Nun also wieder aufgetaucht, gibt das Raumschiff eine Reihe von Rätseln auf. Und alle hängen sie damit zusammen, daß die "Event Horizon" ein innovativer Prototyp war, mit dessen Hilfe sich Raum und Zeit völlig neu erleben ließen. Ein monströser Magnet, gewissermaßen der Kern des Schiffes, ermöglichte dies.

Als die Rettungsexpedition vor Ort ankommt, findet sie das Schiff verlassen vor. Es geschehen jedoch eine Reihe merkwürdiger Dinge, in deren Verlauf die Besatzung auf mehr oder weniger phantasievolle Art und Weise dezimiert wird. So weit so gut: Das Schema ist bekannt (siehe Alien 1-4), ein spannender Showdown, der die zweite Hälfte des Films einnehmen würde, könnte für wohligen Nervenkitzel sorgen.

Leider sind wir jedoch bereits in der ersten Hälfte von "Event Horizon" dermaßen mit pseudowissenschaftlichem Firlefanz (auch noch verpackt in ellenlange Dialoge) zugeschüttet worden, daß das Interesse am Gang der Dinge eher erlahmt ist. Wer interessiert sich schon (nach Zeitsprüngen, Zeitschleifen usw.) für ein Kuriosum wie die Zeitfaltung, ein Phänomen, das sich bei Lichte betrachtet natürlich als kompletter Schmonzes entpuppt?

Jedenfalls wurden durch eben jene Zeitfaltung irgendwelche Kräfte des Bösen freigesetzt, die sich nun rächen und dabei nach dem üblichen "10 kleine Negerlein Prinzip" vorgehen. Warum dies so ist, was da genau vorgeht, wer oder was dahintersteckt, und wie der oder das aussieht, dies bleibt das Geheimnis von Drehbuchautor oder Regisseur oder beiden. Hier wurde ganz offensichtlich die Metapher vom namenlosen Schrecken zu wörtlich genommen. Ein Schrecken, der in keiner Weise sicht- oder greifbar ist, ist nämlich gar keiner, auch wenn seine vermeintlichen Auswirkungen Splatterqualität haben.

Dabei hätte "Event Horizon" im Grunde genommen durchaus das Zeug zu kurzweiligem Popkornkino, also zu einem Film, in dem man sich ordentlich unterhält und den man nach Verlassen des Lichtspielhauses auch schnell wieder vergessen hat. Formal ist das Ganze gar nicht mal so schlecht. Handwerklich ist alles in Ordnung, das Design ist durchaus originell, und die visuellen Effekte stimmig und beeindruckend. Auch die Schauspieler um Sam Neill, Laurence Fishburne und Joely Richardson machen ihre Sache gut und sind, wie sich das für solche Filme gehört, im richtigen Moment angemessen entsetzt.

Daß "Event Horizon" dennoch nicht funktioniert und an keiner Stelle richtig zündet, liegt allein an der bescheuerten Geschichte. Womit wieder einmal bewiesen wäre, daß die Seele eines Films ein gescheites Drehbuch ist. Aber das ist ja eigentlich schon länger bekannt.




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