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Kritik: Todas - Am Rande des Paradieses (1999)


Sie kennen weder Krieg noch Waffen, sie betreiben weder Ackerbau noch Handel. Schrift und Religion sind ihnen fremd. Sie leben von der Milch wilder Büffel und von dem, was sie im Urwald finden.
Das neueste Werk des Schöpfers der Tibet - Trilogie "Das alte Ladakh”, "Tibet-Widerstand des Geistes” und "Living Buddha”, Clemens Kuby, schildert das Leben der Todas, eines außergewöhnlichen Stammes von nur etwa 1000 Menschen in den südindischen Nilgiri - Bergen. Kuby läßt seinen Dokumentarfilm von einer alten Stammesfrau in Ich-Form kommentieren.

Die Todas leben in völligem Einklang mit der Natur, sie achten die wilden Büffelherden wie ihresgleichen. Sie verehren die Natur; besondere Steine, Bäume, Berge, Seen und leben in einer intensiven geistigen Verbindung zu ihren Ahnen. Ihre Familien sind die Clans, zu denen sie durch Kindesverlobung im Alter von ungefähr 8 Jahren Zugehörigkeit erlangen. Die Aufgabe der Frauen ist lediglich die Haushaltsführung, da sie aufgrund ihrer Monatsblutung als unrein gelten und somit nur die Männer zur Milchverarbeitung berechtigt sind. Auch der Stammesrat ist nur ihnen zugänglich. Dagegen war in früheren Zeiten Vielmännerei durchaus üblich. Somit wird nicht ganz klar, ob es sich nun um eine von Männern dominierte oder doch mehr matriarchalisch geprägte Sozialstruktur handelt. Trotzdem ist die Welt der Todas im Augenblick noch heil, jedoch bedroht die sich unaufhaltsam nähernde Zivilisation das kleine
Paradies.

Clemens Kubys Reise in die Welt am Rande des Paradieses, für die er innnerhalb von 6 Jahren dreimal Südindien besuchte, erklimmt bei weitem nicht die Höhen seiner Vorgänger-Dokus.

Sind die Gewänder der Todas auch noch so farbenfroh, so kann Kuby dennoch diesmal der recht eintönigen Landschaft nur wenige Reize entlocken und der Funke der Faszination vermag nicht auf den Zuschauer überzuspringen.

Darüberhinaus wird der eigentlich hauptsächlich interessante Konfliktstoff; nämlich die Konfrontation des in sich abgeschlossenen Paradieses mit der zivilisierten Außenwelt und den beginnenden Umwälzungen innerhalb seiner Gesellschaftsstruktur, nur ansatzweise genauer untersucht. Diesen krassen Unterschied - eben noch am offenen Herdfeuer, jetzt schon in der brodelnden Großstadt - hätte man noch genauer unter die Lupe nehmen können und damit den Film zu einer differenzierteren und sicher auch spannenderen Dokumentation machen können.

Auch die einschläfernde Stimme der deutschen Synchronkommentatorin (sie wäre zum Besprechen von Meditationskassetten eher geeignet) trägt nicht gerade zur Kompensation der doch teilweise vorhandenen Längen bei, sondern läßt den Kinobesucher nur noch tiefer im Sessel versinken.

Daher ist Todas - Am Rande des Paradieses ein für "Indien-Fans und Hobby-Ethnologen” (cinema) sicherlich interessanter Film; wird den Otto-Normal-Kinogänger jedoch höchstens in paradiesischen Schlaf versetzen.




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