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Christiane Paul und Bernd Michael Lade in 'Dumm gelaufen'
Christiane Paul und Bernd Michael Lade in 'Dumm gelaufen'
© Tobis Film

Kritik: Dumm gelaufen (1996)


Der Titel ist wirklich zu verführerisch, als ihn zur kurzen, pointierten Filmkommentierung zu übergehen. Um es gleich vorwegzunehmen - der Titel paßt.
Peter Timms neuester Komödienstreich steht in der Tradition einer schon fast zehnjährigen Lacherfolgssträhne. Angefangen mit den ersten Kassenknüllern "Go Trabi Go" (1990) und "Manta - der Film" (1991) bis hin zur Kindersauerei "Rennschwein Rudi Rüssel" (1995) steht der Name des Regisseurs für breite Familienunterhaltung auf Mainstream-Niveau. Und ob einem nun Timms Massenkost schmeckt oder nicht, ist wahrscheinlich immer eine Frage des Anspruchs und der Sichtweise. Seine neueste Komödie "Dumm gelaufen" wird aber wahrscheinlich nur an den Wenigsten ohne Schluckauf und Magenkrämpfe vorübergehen, denn die Geschichte um einen Jungbauern vom norddeutschen Tiefland und ein Kiezmädchen aus der Großstadt ist zu vorhersehbar, zu überladen und zu anbiedernd, als daß sie wirklich die Bezeichnung Komödie verdient hätte.

Dabei fängt alles noch ganz gut an: Zwei unbeabsichtigte Morde führen Mann und Frau aus den unterschiedlichsten Welten auf den gleichen Leichenentsorgungsweg. Doch schon in diesem Eröffnungsabschnitt schleicht sich ein erster bitterer Beigeschmack ein, denn die Millieustudien von Bauernland und Rotlichtszene driften in gehässige Klischeereiterei ab. Die ländliche Bevölkerung ist ein Haufen tumber und instinktiver Wesen, die sich am Stammtisch dem Alkohol und diversen Jagdprotzereien hingeben. Und auch Zuhälter, Prostituierte und Freier auf dem Strich wandeln auf einseitigen, vorgezeichneten Pfaden. Kein Spielraum, keine Zwischentöne lassen den Nebenfiguren und ihrem Umfeld den Platz zur nuancierten Entfaltung. "Dumm gelaufen" drischt ohne Hemmungen Vorurteile ab, und der Zuschauer soll noch darüber lachen, er muß lachen, denn so aufdringlich zieht das Dauergag-Gewitter blitzend in den Kinosaal. Wenn jeder komödiantische Einfall mit einem Hinweisschild "Hier bitte lachen" versehen werden muß, dann sollte man sich fragen, ob irgend etwas an der Grundkonzeption des Films nicht funktioniert.

Was "Dumm gelaufen" letztendlich doch etwas weniger dumm laufen läßt, ist der hervorragende Auftritt von Bernd Michael Lade als Nachwuchslandwirt Thorsten Hamm. Denn ihm gelingt es im Gegensatz zur Handlung, seine Figur durch zurückhaltenden Minimalismus nicht der Lächerlichkeit preiszugeben. Wo die Geschichte lauthals schreit und aufdringlich wird, schweigt Lade, er blickt schelmisch in die Runde und bleibt somit für Überraschungen gut. Wenn er mit einer stoischen Ruhe und Lässigkeit gekochte Eier ganz nebenbei ihrer Schale entledigt, dann wird diese Entblätterung in Gegenwart seiner umwerfend-anziehenden Filmpartnerin Christiane Paul zur zweideutigen Anspielung. Genau dies wäre der "Auslauf", der Ausweg für die "bodenständige" Komödie gewesen, die auch flach am Boden liegen bleibt. Denn nicht einmal die beste darstellerische Leistung kann sich wehren, wenn zum guten Schluß auch noch ein klassisch-schönes Happy-End vor der Kulisse von Wiesen und Weiden durch unpassende, chartgeiernde Soundtrack-Klänge zum peinlichen Absturz verurteilt wird. Das nächste Mal, Herr Timm, bitte ein bißchen weniger direkt und aufdringlich und dafür andeutungsweise und durch die Hintertür, dann läufts vielleicht besser ...





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