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Kritik: Palmetto (1998)


Film noir - farbig und mittelmäßig
Volker Schlöndorffs blasser Florida-Krimi "Palmetto"

Flirrende Hitze. Es ist schwül in Florida, auch im unbedeutenden Hafenstädtchen Palmetto schwitzt so mancher Blut und Wasser. Harry Barber (Woody Harrelson) zum Beispiel. Bis sie ihn eingebuchtet hatten, war er Reporter, jetzt wurde er entlassen und lungert arbeitslos in Bars oder bei seiner künstlernden Freundin Nina (Gina Gershon) herum, die zwei lange Jahre treu auf ihn gewartet hat. Und jetzt, wo er zurück ist, will er sich die beiden verpaßten Jahre, die er unschuldig abgesessen hat, zurückholen: nur das zählt. Ein gutbezahlter Job wäre natürlich auch o.k..Harry Barber geht die Stellenanzeigen durch und schlürft sein nichtalkoholisches Getränk, da nähert sich ihm langsam eine Frau,stellt sich als Rhea Malroux vor, Gattin des reichsten Mannes von Palmetto, und offeriert ihm jenen heißersehnten Job, der ihn später in Teufels Küche bringen wird: Harry soll Rheas Stieftochter Odette entführen und von ihrem Gatten Felix Malroux, einem schwerkranken alten Geizhals, ein sattes Lösegeld fordern. 50.000 Dollar gibt´s für diesen Dreh, Risiko freilich exklusive, Odette kehrt nach erfolgter Zahlung zurück. Alles ganz einfach. Der simple Plan scheint perfekt, die Knete winkt und Rhea wippt aufreizend verführerisch, bis Harry plötzlich eine Leiche und jede Menge Probleme am Hals hat ...
Volker Schlöndorff inszenierte mit "Palmetto" einen kleinen fahrig- schnoddrigen US-Film, basierend auf dem Roman "Just Another Sucker" ("Dumme sterben nicht aus") des britischen Bestseller- Autors James Hadley Chase. Drehbuchautor E. Max Frye erweiterte die Handlung um etliche Wendepunkte und transponierte sie in das grelle Florida der 90er. Ein allzu farbenfroher Film noir ist dabei herausgekommen, ein überraschend schwachbrüstiger Genre-Film voller Versatzstücke und Zitatwerk, dessen narrative Struktur sich trotz unkonventioneller Besetzung und reizvoll-schwüler locations wie ein geschmackloser chewing gum dehnt.

Wenngleich die Handlungsstränge immer wieder aufs neue gegenläufige Momente und abrupte Kehrtwendungen aufweisen, kann der Spannungsbogen über die 114- minütige Laufzeit keineswegs aufrechterhalten werden, schleichen sich dramaturgische Hänger und unmotivierte Augenblicke ein, die eine fatale Folge haben: Langatmigkeit auf der Leinwand - bei einem Krimi ist das glattweg tödlich.

Schlöndorff bekannte Farbe bei seinem ursprünglich in Schwarzweiß angelegten Film noir, und der junge österreichische Videoclip-Kameramann Thomas Kloss tauchte ein ins breite Cinemascope: Was ein prickelnd-trashiger Thriller vor poppig-buntem US-Kolorit in tradiertem Film-noir-Gewand hatte werden sollen, ist zu einem mittelmäßigen, unberührenden Portrait eines Outsiders, eines Pechvogels, geworden, der über etliche Fallstricke kurzsichtig stolpert. Ein naiver, manchmal auch tumber Tor, kein Unhold zwar, doch ein Ahnungsloser: Dumme sterben nicht aus, wie wahr. Und Harrelson tölpelt einfach zu augenfällig herum, stößt mit zunehmender Penetranz gegen jeden dritten Gegenstand, was irgendwann unglaubwürdig und gewollt anmutet. Da mag man kaum glauben, daß Volker Schlöndorff bei dieser US- Produktion die Regie innehatte, ist die Schauspieler-Führung doch merklich schwach, wirkt beinahe geistesabwesend und unbeteiligt. So geraten die Charaktere, einmal ganz abgesehen von Rolf Hoppe und Gina Gershon, zu unausgefüllten konturlosen Figuren: Harrelsons naiver Harry und Shues durchtriebene Rhea führen kein wirkliches Eigenleben, ihr Zusammenspiel ist hölzern und unausgegoren, über einer Vielzahl ihrer gemeinsamen Momente liegt eine artifiziell-steife Atmosphäre, die eine seltsame Leblosigkeit verströmt. Eine Entwicklung innerhalb dieser Konstellation gibt es schlichtweg nicht, beide bleiben sie gesichtslos: Daß auf dem hellblauen Filmplakat die farblosen Konterfeis von Shue und Harrelson mit schwarzen Sonnenbrillen zu sehen sind, ist da schon die unfreiwillige Anti-Werbung mit Negativ-Aussage. Die platten Dialoge der Synchronfassung tun ein übriges dazu, "Palmetto" nicht eben zu Schlöndorffs Ruhmesblatt geraten zu lassen - gewiß ein filmographischer Wermutstropfen.




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