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Kritik: Antz (1998)


Abermillionen Statisten, gigantische Kulissen, atemberaubende Kamerafahrten - die Technik macht's: "Antz" ist vollständig im Computer entstanden und überrascht mit einer kreativen Bilderflut, in der Disneys Vorreiter "Toy Story" sang- und klanglos untergeht. Unter der Regie von Eric Darnell und Tim Johnson verwandelt sich der Mikrokosmos einer unterirdischen Ameisenkolonie in ein cleveres Sinnbild der Massengesellschaft.

Der eigentliche Macher hinter dem bildgewaltigen Opus aber heißt Jeffrey Katzenberg und ist Steven Spielbergs Partner beim Hollywood-Studio Dreamworks. Dort leitet der ehemalige Disney-Manager die Trickfilmabteilung und läßt ambitioniertes Kino für Erwachsene aus dem Boden stampfen: Am Zeichenbrett und im Computer entstehen artifizielle Figuren, deren Ausdruckskraft dem emotionalen Repertoire echter Schauspieler gleichkommen soll. Mit "Antz" ist Katzenberg, dessen früherer Arbeitgeber ihm Welterfolge "Aladdin" und "Der König der Löwen" verdankt, diesem Ziel verblüffend nahe gekommen.

Ameisenperspektive: In nahezu jeder Szene betritt der Film kreatives Neuland und beeindruckt mit ausgefeilten, originellen Bildern, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Insekten, Pflanzen, Wasser, Hintergrund: Die Welt der kleinen Krabbler wirkt so überzeugend, daß man im Nu vergißt, daß die Akteure im Computer gezüchtet wurden. Ihre Seele aber sind die realen Schauspieler, die dem sympathischen Ungeziefer nicht nur ihre Stimme liehen, sondern den Computerzeichnern auch als Charaktervorlagen dienten. Dabei protzt die amerikanische Originalfassung mit einem großen Ensemble erlesener Mimen - unter ihnen vier Oscar-Preisträger.

Einer für alle - alle für einen: "Antz" zelebriert uramerikanische Werte wie Freiheit und individuelle Selbstbestimmung, betont zugleich aber auch die Verpflichtung des einzelnen, sich fürs Gemeinwohl aufzuopfern - ein politisch korrekter Spagat, geschickt verpackt in der romantischen Geschichte einer verbotenen Liebe und der Tragödie eines zum Völkermord entschlossenen Generals. Letztlich aber trägt der Film die Handschrift von Woody Allen alias "Z": Der krabbelnde "Stadtneurotiker", der selbst als Insekt nicht ohne Psychiater (Paul Masursky) auskommt, verleiht dem mit ironischen Seitenhieben gespickten Ameisenepos eine unverwechselbare Note.

Starker Tobak: Trotz mitreißender Musik und humorvoller Einlagen ist "Antz" kein Film für kleine Kinder - dafür sorgt schon das ungeschminkt gewalttätige, von "Starship Troopers" inspirierte Gemetzel zwischen Ameisen und Termiten: Vor die Wahl gestellt, ein liebliches Trickfilm-Musical oder eine gewitzte Parabel über die Tücken des Konformismus zu produzieren, entschied sich Katzenberg für die gewagtere Alternative.

Das Imperium aber schlägt zurück: Ende Januar wuselt Disneys Retourkutsche über die deutschen Leinwände. Titel der im Computer generierten Käfersaga: "Das große Krabbeln".





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