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Kritik: Doppelmord (1999)


Das eigentlich Erstaunliche an diesem äußerst konventionellen und moralisch gelinde gesagt fragwürdigen Thriller ist sein enormer Erfolg in den USA. Aber vielleicht ist das Ganze gar nicht so erstaunlich und erklärt sich gerade aus den beiden erwähnten Faktoren. Aufhänger und Kulminationspunkt des Films ist ein Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung, der besagt, dass ein Täter nur einmal wegen ein und derselben Tat vor Gericht gestellt und verurteilt werden darf. Um diese, auf den ersten Blick gesehen, Selbstverständlichkeit, konstruiert "Doppelmord" eine Geschichte, die auf einen straffreien Mord hinauslaufen soll.

Nach einer feuchtfröhlichen Nacht auf einer Segeljacht wacht Libby Parsons benommen und blutbesudelt auf. Der Platz neben ihr, dort wo eigentlich Ehemann Nick liegen sollte, ist leer. Die junge Frau folgt einer Blutspur, die an der Reeling endet. Was folgt, spult sich nach bekanntem Muster ab. Libby wird des Mordes an ihrem Mann angeklagt und trotz fehlender Leiche auch verurteilt. Erst im Gefängnis beginnt ihr zu dämmern, dass sie einem perfiden Versicherungsschwindel aufgesessen ist.

Nach sechs Jahren (seit wann gibt‘s für Mord nur sechs Jahre ?) hinter Gittern begibt sich Libby auf die Suche nach ihrem Sohn, den sie vor dem Prozess einer Freundin anvertraut hatte. Libby vermutet, dass diese mit ihrem Mann seinerzeit gemeinsame Sache gemacht hat.
Nun ist also Rache angesagt. Und Libby hat auch einen Plan. Eine Mitinsassin im Gefängnis, eine ehemalige Rechtsanwältin, hatte ihr nämlich folgendes erzählt: Wer wegen eines Mordes angeklagt und verurteilt worden ist, kann wegen dieser Tat kein zweites Mal zur Rechenschaft gezogen werden. Libby könne also nun die nicht begangene Tat, deren Strafe sie abgesessen hat, quasi nachholen, ohne erneut belangt zu werden. Für die verbitterte Ehefrau, die vor den Trümmern ihres Lebens steht, scheint dies durchaus verlockend zu sein. Wäre da nur nicht Libbys Bewährungshelfer, ein zynischer und abgehalfteter Zeitgenosse, der allerdings mit einer bemerkenswerten Kombinationsgabe gesegnet ist.

Abgesehen von der plakativen Geschichte und der umständlichen Erzählweise, verärgert an dem Film vor allem die Nichtthematisierung des moralischen Fokus: Darf man jemanden umbringen, wenn man die Strafe (für die vermeintliche Tat) schon abgesessen hat? Mit keiner noch so kleinen Geste widmet sich der Film, für den immerhin ein Regisseur wie Bruce Beresford ("Driving Mrs. Daisy") verantwortlich zeichnet, diesem Dilemma. Hinzu kommt, dass das Drehbuch aus einer hahnebüchenden Aneinanderreihung von Zufällen und Unwahrscheinlichkeiten besteht, die im übrigen denkbar brav abgefilmt sind. Der Schluss dieser unappetitlichen Rachegeschichte ist dann auch in etwa so überraschend wie der alltägliche Hereinbruch der Dunkelheit am Abend. Somit vermag nicht einmal eine so verdiente Kraft wie Tommy Lee Jones diesem matten Filmchen einen Hauch von Glanz zu verleihen.





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