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Kritik: Auf der Jagd (1998)


Und noch einmal ein Flüchtiger

Hollywood bastelt die Fortsetzung eines Welterfolges. Das Rezept ist einfach. Man mache alles ein bißchen größer, ein wenig bombastischer, aber um Gotteswillen nicht anders. "Auf der Jagd" ist -wie es der Name schon vermuten läßt- der Ableger des Katz-und-Maus-Thrillers "Auf der Flucht" aus dem Jahre 1993. Und der Einfallsreichtum der Fortsetzung ist wirklich beeindruckend. Denn wieder gibt es einen unschuldig des Mordes Verdächtigten, gegen dessen Unschuld jedoch sämtliche Beweise und Indizien zu sprechen scheinen. Erneut bietet ein verunglückter Gefangenentransport die Möglichkeit, sich aus dem Staub zu machen und durch eigene Nachforschungen die Weißheit seiner Weste zu beweisen. Und wieder einmal bläst ein Cop der Extraklasse ins Jagdhorn. Doch damit nicht genug: im zweiten Teil wurde nun nicht mehr gekleckert, sondern richtig geklotzt. Denn der Flüchtige ist kein gewöhnlicher weißer Mann in einer ungewöhnlichen Situation, sondern ein ungewöhnlich Farbiger (Wesley Snipes) in einem noch ungewöhnlicheren Syndikatspionageverschwörungsfall. Die Flucht gelingt nicht etwa mehr aus einem biederen Bus, sondern aus einem Hochsicherheitsgefangenentransportflugzeug. Und zuguterletzt hat sich der eifrige U.S. Marshall Samuel Gerard (Tommy Lee Jones) gar zum Breitmaulfroschgroßwildjadexperten gemausert.

"Auf der Jagd" - eine Fortsetzung der Superlativen wurde geplant, herausgekommen ist ein Film, der neben diesen oberflächlichen Übersteigerungsformen sämtliche Qualitäten des Vorgängers schlicht vergessen zu haben scheint. Wo sich Dr. Richard Kimble (Harrison Ford) vor fünf Jahren noch in bester Hitchcockmanier in Unauffälligkeit und Understatement übte, verkommt die Figur von Wesley Snipes zur aufgeblasenen und dadurch jeglicher scharfer Konturen beraubten Billigkopie. Daß ein solches Konzept, Bewährtes einerseits bewahren zu wollen und auf der anderen Seite durch plumpes Aufplustern zu entstellen, letztendlich auf der Leinwand zerplatzen muß, ist nicht weiter verwunderlich. Wenn nach dschungelähnlichen Flußauen, Friedhöfen und mit goldgelbem Korn gefüllte Schiffskammern gar Schauplätze für unfreiwillige Komik sorgen, hat sich Hollywood mal wieder bis zur Unkenntlichkeit selbst übertrumpft.




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