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Kritik: Sieben Monde (1998)


Ein deutscher Horrorfilm!?

Das mag man kaum glauben, ist doch zu befürchten, daß sich auch in dieses Genre teutonisches Komödiantentum mischt. Aber dem Teufel sei dank, davor bewahren Regisseur Peter Fratzscher und Drehbuchautor Nils-Morten Osburg den Zuschauer, sie bewegen sich konsequent unter heulenden Werwölfen und deren grausamen Greueltaten. "Sieben Monde", vormals mit "Nachts" betitelt, stellt ein Wagnis in der hiesigen seichten Produktionslandschaft dar: Dieser mit einem Werwolfsfilm zu begegnen, ist nicht minder riskant wie das Faktum, das Unternehmen mit Darstellern zu besetzen, die just auch jenen Beziehungs-Komödien mitunter ihr Gesicht geliehen haben. Und daß sich das Werwolf-Drama in der voralpenländischen Metropole München abspielt, das verlangt dem Kinogänger schon eine gehörige Portion guten Willen ab. Hier wird von Seiten der Produzenten Alena und Herbert Rimbach (Avista) auf - kommerzielles, nicht künstlerisches! - Risiko gesetzt, doch liegt es wie ein unseliger Fluch über dem Film, daß man sich zu viel vorgenommen und zu wenig eingelöst hat.

München wird von einer brutalen Mordserie erschüttert. Die Opfer sind durch Bißwunden und Krallenspuren entstellt, Polizei und Presse schließen auf eine blutrünstige "Mörderbestie". Der Schriftsteller Thomas Krömer (Jan Josef Liefers) wird hellhörig, schreibt er doch neben seinem Romandebüt gerade wieder als Synchronautor die deutschen Dialoge verschiedener Horrorfilme. Mehr und mehr keimt in ihm der Verdacht auf, zur Mitternacht selbst zum Werwolf zu mutieren und somit der vielgesuchte Mörder zu sein. Während die beiden denkbar unterschiedlich ermittelnden Kommissare Graf (Peter Lohmeyer) und Becker (Christoph Waltz) sich in ihren eigenen Auslegungen des Falles verheddern und nach sieben Monden auch sieben Opfer zu beklagen sind, kommt Schriftsteller Thomas mit Hilfe seiner neuen Freundin, der Buchhändlerin Alexandra (Marie Bäumer), der Lösung des Mysteriums immer näher ...

"Sieben Monde" ist das erste Drehbuch von Nils-Morten Osburg, und nach diversen TV-Arbeiten, darunter "Der Fahnder" und "Tatort", ist es auch wieder ein Kinofilm des 47jährigen Regisseurs Peter Fratzscher. Vielleicht liegt hierin der Grund, daß die Erzählstruktur einer gewissen Stringenz entbehrt, daß die betulichen Selbstreflexionen des schriftstellernden Krömer allzu sehr ausufern und das dramaturgische Gefüge mit seinen banalen Genre-Versatzstücken in sich umkippen lassen. Der für dieses Genre so existentielle Spannungsbogen kann nur kurze Zeit gehalten werden, irgendwann ist die Luft einfach raus, Langatmigkeit ist die Folge. Neben dem blaßen Figurenarsenal ist es nur ein einziger Schauspieler, der durch seine wie stets brillante Interpretation fesselt:
Ulrich Mühe, der als zwielichtiger Verlagslektor Hans Eschenbach auftritt und Thomas seine frisch eroberte Alexandra abspenstig machen will. Neben Mühes dichter Personenzeichnung wirken seine Mitspieler allesamt wie blutleere Zombies aus einem ganz anderen Horrorfilm.





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