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Kritik: Teurer als Rubine (1998)


Boaz Yankins zweite Spielfilmarbeit entführt den Zuschauer in die geheimnisvolle Welt der New Yorker Chassiden, einer verschlossenen, streng orthodoxen jüdischen Gemeinschaft. Müßte man den Film mit einem einzigen Adjektiv kennzeichnen, man könnte "Teurer als Rubine" ganz banal als interessanten Film charakterisieren. Interessant, weil er - vorurteilslos und ohne plakative Schwarzweißmalerei - faszinierende Einblicke gewährt und neue Einsichten vermittelt, interessant aber auch, weil er vom ganz persönlichen Freiheitskampf einer Frau um ihre Rechte als Individuum erzählt, ohne sich dabei wie ein cineastisches Pamphlet von, mit und für Feministinnen zu gebärden.

"Teurer als Rubine" ist ein aufrichtiges, atmosphärisch dichtes Drama mit einer hervorragenden Renée Zellweger ("Jerry Maguire") als Sonja. Boaz Yakins Reflexion über einen Menschen, der zum Outcast wird, weil er sich den rigiden Geboten und Ritualen einer nach außen abgeschlossenen Gemeinschaft nicht unterwerfen will, besticht durch die Sensibilität ihres behutsamen Tempos und die sorgfältige Entwicklung der Charaktere, ohne dabei die religiös orientierten Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben.

Guten Gewissens können wir unserem eingangs gefundenen Adjektiv also noch ein zweites hinzufügen: "Teurer als Rubine" ist nicht nur ein interessanter, sondern auch ein durchaus sehenswerter Film.




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