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Kritik: Der Überfall (2000)


„Hadern bis zur Raserei“ wäre eine gute Werbezeile, um den Charakter von Florian Flickers Kammerspiel-Komödie „Der Überfall“ zu beschreiben. Denn die Figur, welche der bereits in „Indien“ und „Komm, süßer Tod“ (2001) positiv aufgefallene Josef Hader zum Leben erweckt, ist eine Glanzleistung sondergleichen. Obwohl von ausgemachter Feigheit bittet dieses herzkranke Nervenbündel den Geiselnehmer immer zum seltsamsten Zeitpunkt um absurde Kleinigkeiten, welche langsam aber sicher die angespannte Situation unterspülen. Dem Schrecken des gewaltsamen Ereignisses begegnet Flicker mit feinstem schwarzen Humor. Immer wieder droht die unbeabsichtigte Geiselnahme außer Kontrolle zu geraten, ehe die absurde Art der Beteiligten, damit umzugehen, die Geschehnisse in ein neues, verblüffendes Licht setzt.

Flicker beweist mit seinem überraschenden Kammerspiel, dass humorvolles Tempokino nicht zwangsläufig überdimensionierter Schauplätze bedarf. Ihm gelingt es vielmehr durch die beengte Situation eine vortreffliche Synthese aus tragischer Figurenzeichnung, komischem Handlungsablauf mit amüsanter Situationskomik und psychischer Anspannung zu erreichen, die hervorragend unterhält. Das einzige Manko dieses erfrischenden Streifens dürfte der ungefilterte österreichische Dialekt sein. Auch wenn die meisten Dialoge zu verstehen sind, könnte sich der ein oder andere an mancher Stelle deutsche Untertitel wünschen. So bleiben manche Facetten der ungewöhnlichen Figuren leider im Dunkeln. Das tut dem Genuss der morbid-makabren Mär aber keinen Abbruch. Eine Entdeckung.





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