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Kritik: Väter (2002)


Das Schlussbild von Dani Levys neuem Drama zeigt unter anderem wie ein junger Mann seine Mutter wiedersieht, die ihn und seinen Vater vor vielen Jahren verlassen hat. Die Familie und wie wichtig sie als funktionierendes Element für das Wohlbefinden der Menschen ist, darum geht es in "Väter".
Der junge Mann des Schlussbildes verdient sein Geld als aufstrebender Architekt in einer prosperierenden Firma, für die er mit einem mutigen Entwurf gerade einen lukrativen Auftrag an Land gezogen hat. Zur Kehrseite des Erfolges gehört der ständige Stress. Für die Familie hat er immer weniger Zeit, was zu ständigen Spannungen mit seiner Frau führt. Nach mehreren Fehltritten und Demütigungen seitens ihres Mannes packt sie schließlich die Koffer. Unter Polizeischutz nimmt sie auch den gemeinsamen Sohn Benny mit. Das will der Architekt aber nicht hinnehmen, so dass er fortan um seine Rechte als Vater kämpft.
Folglich liegt der Schwerpunkt der Erzählung auf seiner Seite. Aus der Perspektive des Architekten entwickelt "Väter" das Familiendrama. Unverständlicherweise erscheint aber gerade die Figur des Architekten, der die Auseinandersetzung mit dem komplexen Stoff tragen soll, als unsympathischer Egozentriker. In mehreren Stufen demontiert ihn Levy so gründlich, dass er es nicht verdient hat, seinen Sohn weiterhin zu sehen. Zunächst erfährt der Zuschauer von einigen Versäumnissen des Architekten, wenn er nicht, wie versprochen, die Medikamente mitbringt. Solchen und ähnlichen Fehlern versucht er, mit einer großspurigen Rede über seine Vorzüge sowie Nachteile zu begegnen, die in ihrer überlegenen Attitüde nur den Zweck verfolgt, eine Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten zu verhindern. Auf einer Hochzeitsparty von Freunden demütigt er seine Frau öffentlich, indem er dafür sorgt, dass bei einem Trinkspiel Details eines persönlichen Streites laut vorgelesen werden.

Endgültig untragbar wird diese Figur schließlich, als seine Frau nach der Trennung bei ihm Zuhause auftaucht, um über die Probleme zu reden. Anstatt eine Kollegin, mit der er gerade kocht, wegzuschicken, legt er es in einem Machtspiel darauf an, dass seine Frau sich vor ihr seelisch entblößen muss, will sie über die intimen Schwierigkeiten reden. Die ebenfalls vorhandenen Machtdemonstrationen der Frau sind demgegenüber harmlos. Aufgrund der völlig indiskutablen Figur des Architekten findet in "Väter" kein glaubwürdiges Drama mehr statt. Die einzelnen Aspekte des Themas wie die Rolle des Vaters oder die Auswirkungen für das Kind treten in den Hintergrund, ganz abgesehen davon, das auch keine emotionale Wirkung mehr erzielt wird. Das ist wahrscheinlich das Schlimmste, was sich über ein Drama sagen lässt.




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