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Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation
Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation
© Piffl Medien

Kritik: Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation (2009)


1977 fanden sich 9 junge Regisseure wie Volker Schlöndorff, Andreas Kluge oder Rainer-Werner Fassbinder zusammen, um mit der Kurzfilm-Anthologie "Deutschland im Herbst" eine Stimmungslage
der Nation in Zeiten von RAF-Terror und immer neuen, die bürgerlichen Freiheiten einschränkenden Gesetzen zu zeichnen. Da die Regisseure des "Neuen Deutschen Films" das vorgegebene Thema so vollständig und umfassend wie möglich darstellen wollten, folgten sie einem strengen Konzept - jeder Regisseur beleuchtete in seinem Kurzfilm einen ganz bestimmten, vorher abgesprochenen Aspekt. Dokumentarische Aufnahmen der beinahe zeitgleich stattfindenden Beerdigungen von dem von Mitgliedern der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsident Hanns-Marin Schleyer und der RAF-Mitglieder Jan Carl Raspe, Andreas Baader und Gudrun Ensslin in Pro- und Epilog bildeten eine thematische Klammer.
Regisseur und Produzent Tom Tykwer und seine 12 Mitstreiter ließen sich von dem Projekt "Deutschland im Herbst" inspirieren, gingen allerdings weitaus individualistischer vor: Das Thema recht weit gefasst - eben: Deutschland, heute - keine Klammer, die die Kurzfilme in einen gemeinsamen Kontext setzt, keine Vorgabe zu Genre oder Ästhetik.

Das Ergebnis ist vor allem eins: Latent deprimierend. Es ist fast schon ein Phänomen: 13 Regisseure legen die unterschiedlichsten Filme über ihr persönliches, aktuelles Deutschlandbild vor - Dokus, Dramen, Surreales und Experimentelles - und nicht ein einziger ist darunter, dem etwas Positives einfällt. Nicht nur das: Der einzige, der sich in den gesamten Filmen positiv über Deutschland äußert, ist ausgerechnet ein persischstämmiger Animierbarbesitzer aus Berlin (in Romuald Karmakars Doku "Ramses"). Kein Wunder, dass da während der Berlinale-Pressekonferenz nach der "Deutschland '09"-Vorführung ein italienischer Journalist feststellte, dass es vielleicht besser wäre den Film im Ausland nicht zu zeigen, wenn man das international gute deutsche Image nicht beschädigen wolle.
Abgesehen von dieser - wohl typisch Deutschen - grundsätzlich eher negativen Haltung gegenüber der eigenen Heimat, gibt es nur wenige Gemeinsamkeiten - und die Vorhandenen verstärken nur das Gefühl, Deutschland sei ein Jammertal. All überall zeigt sich diffuse Unzufriedenheit und Angst, dazu einerseits zwar der Wunsch nach Veränderung, andererseits aber eine wirklichen Veränderungen eher entgegenstehende Desillusionierung gepaart mit einem ausgeprägten Misstrauen gegen Utopien.
Die Qualität der Filme ist dabei so unterschiedlich wie die Themen, wobei die weniger gelungenen nicht so sehr ins Gewicht fallen, der Gesamteindruck also eher gut ist. Zu empfehlen ist das Ganze natürlich nicht für Freunde seichter Berieselung, sondern vor allem für jene Kinogänger, die Filme als Denkanstoß nutzen und sich nach dem Kinobesuch gerne auch noch ein wenig über das Gesehene unterhalten.

Fazit: Deutschland ein Jammertal - das aktuelle, eher negative Deutschlandbild von 13 Regisseuren, präsentiert in Kurzfilmen unterschiedlichster Qualität. Eignet sich gut als Denkanstoß oder zum Einstieg in eine Diskussion zum Thema.




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