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Alles, was wir geben mussten - Hauptplakat
Alles, was wir geben mussten - Hauptplakat
© 2010 Twentieth Century Fox

Kritik: Alles, was wir geben mussten (2010)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Es gibt so Filme, die kann man nicht ganz guten Gewissens empfehlen. Nicht, weil sie schlecht sind – sondern weil sie extrem deprimierend und daher nicht für den beiläufigen Filmkonsum geeignet sind. David Lynchs "Eraserhead" oder Lars von Triers "Dancer in the Dark" gehören für diese Autorin dazu. Und beide sind lange nicht so gut wie "Alles, was wir geben mussten" – der hier ausdrücklich nur Zuschauern mit besonders dickem Fell empfohlen wird...
Es gibt nämlich keinen Lichtblick, nirgends. Die grausam-beklemmende Fabel von der banalen Unbändigkeit menschlicher Grausamkeit – Homo humini lupus (der Mensch ist des Menschen Wolf) – ist in einer nicht konkret verorteten Jetztzeit angesiedelt, irgendwo zwischen den ausgehenden 50ern und späten 80ern, im ländlichen England. Dort werden ganz gewöhnliche Kinder, die in der genetischen Lotterie unbewusst durch ihre Zeugung zu "Material" gebrandmarkt – sprich, ungewollte Sprösslinge von Verbrechern oder Prostitituierten – und somit gefälligst dankbar zu seienden Organ-"Spendern" herangezogen wurden. Mit kaum etwas mehr Aufwand als Gemüse. Menschliche, intelligente Wesen.
Und das äußerst effizient – keine(r) der intelligenten, sensiblen Jugendlichen wehrt sich gegen das perverse, verstörende System und seine moralische Verkommenheit. Dabei wäre sogar Selbstmord ein würdigerer Ausweg. Nichtstestotrotz hegen einige von ihnen mehr oder weniger naive Träume, welche Ersatzteillagern allerdings nicht gestattet sind. Die nicht einmal thematisierte Hinnahme der unaussprechlichen Grausamkeiten macht den langsam und eindringlich erzählten Film nur umso schwerer erträglich – auch wenn man mit der gleichnamigen Buchvorlage nicht vertraut ist. Dennoch ist er, wie gesagt, gut: Eine fantastische, subtil und emotional gespielte Parabel über eine ethisch degenerierte Welt, welche leider verdammt vertraut wirkt.




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